Montag, 3. Dezember 2018

Fun fact # 32: Meinungsfreiheit

Als Steve Bannon vor gut einem Jahr noch Berater von Donald Trump war, versuchte er, den Präsidenten davon zu überzeugen, die Sozialen Medien wie Facebook, Youtube und Google als öffentliche Dienste einer staatlichen Regulierung zu unterwerfen.

Social Media Intelligence für die Polizei

Die neue Ausgabe von "Bürgerrechte und Polizei" widmet sich "Drohenden Gefahren", will sagen: der Vorverlagerung der polizeilichen Ermittlungen und den entsprechenden Überwachungsmethoden. Ich habe einen Beitrag beigesteuert, der sich um neue Tendenzen der Internetauswertung dreht, konkret um die sogenannte Social Media Intelligence, oder (weil die Schlapphüte immer zu wenig Zeit haben) "Socmint".

Mein Text beginnt mit einem bemerkenswerten Startup aus Wien namens Prewave.

„Künstliche Intelligenz trifft Risikoanalyse!“ So wirbt das Wiener Unternehmen Prewave für seine Dienstleistungen, darunter die Streik-Vorhersage anhand von Daten aus den Sozialen Medien. „Ein Streik kann definiert werden als eine geplante Aktion von Beschäftigten oder Gewerkschaften um die Arbeit anzuhalten oder zu verlangsamen“, heißt es in einem wissenschaftlichen Beitrag der Prewave-Gründerin Lisa Madlberger von 2016. Aber: „Schäden können durch rechtzeitige und effiziente Reaktion verringert werden. Allerdings geht oft wertvolle Zeit verloren, weil die Unternehmen zu spät von einem Streik bei ihren Zuliefern oder Transporteuren erfahren.“ Dagegen soll Prewave helfen, indem die Sozialen Medien in Regionen von Interesse systematisch ausgewertet werden, um sich anbahnende Arbeitsniederlegungen zu erkennen. Den Zulieferer zu wechseln, ist übrigens eine gängige Maßnahmen im Supply Change Management. Laut eigenen Angaben gehören zu den Auftraggebern der Firma „große Automobilhersteller, Banken, Logistikkonzerne und Reedereien“.

Funktioniert so etwas? Vielleicht. Die Prewave-Algorithmen durchforsten Twitter, Facebook oder andere Plattformen. Zunächst werden die Texte sozusagen bereinigt, um sie im nächsten maschinell auszuwerten. Aus den Tweets oder Posts werden die Merkmale „Ort“, „Zeitpunkt“ und „Person / Organisation“ extrahiert. Weil es Prewave um die Streik-Vorhersage geht, schließt Person / Organisation in diesem Fall auch Berufsgruppen wie „Taxifahrer“ oder „Hafenarbeiter“ ein. Mit den festgestellten Häufigkeiten dieser Merkmale werden dann Prognosen erstellt.

Ein Blogger-Kollege von Netzpolitik hat sich übrigens bereits im September mit dieser Firma beschäftigt. Noch mal übrigens: das Startup wurde mit Steuergeldern gefördert. Streiks ins Leere laufen lassen hat mit polizeilichen Ermittlungen natürlich zunächst wenig zu tun. Aber das Beispiel Prewave zeigt eindrücklich, was Social Media Intelligence im Kern ausmacht: Massendaten aus der Internetkommunkation werden algoritmisch gefiltert und die gefundenen Muster mit statistischen Methoden in die Zukunft verlängert.

Donnerstag, 29. November 2018

Montag, 26. November 2018

Als Ganzes angesehen ist die heutige Wirtschaft viel weniger einer Maschine vergleichbar, die stillsteht, wenn ihr Heizer sie verläßt, als einer Bestie, die rast, sobald ihr Bändiger ihr den Rücken gekehrt hat.

Walter Benjamin, Zur Kritik der Gewalt

Freitag, 23. November 2018

Montag, 19. November 2018

New Public Science Management

Matthias Gronemeyer hat für Deutschlandfunk Kultur einen schönen Kommentar zur Fake Science-Debatte geschrieben.
Dieser Markt für fadenscheinige akademische Reputationen konnte sich nur entwickeln, weil der Wissenschaftsbetrieb selbst längst kapitalistischen Marktkriterien unterworfen ist.
Gronemeyer kritisiert die "neoliberale Wissenschaftspolitik". Analog zum New Public Management könnten wir sie vielleicht New Public Science Management nennen, mit der einschlägigen Kennzahlen-Fixierung und Standardisierung, aus denen das heutige wissenschaftliche Hordenverhalten resultiert.
Wenn die Lehre an den Universitäten aber finanziell ausgehungert wird und Forschungsgelder nur noch über Drittmittelanträge zu bekommen sind, dann werden auch nur noch die Themen bearbeitet, die in der science economy gerade Konjunktur haben.
Eben. Angst führt gerade nicht zu riskantem Verhalten, wie es einer der Glaubenssätze der neoliberalen Ideologie will. Riskant muss echte Forschung aber sein, weil wir bei der vorher nicht wissen, was rauskommt, im Gegensatz zur Pseudo-Forschung. Merke: Angst führt zu Konformität (jedenfalls im Regelfall, bis zu gewissen Schwellenwerten ...). Und genau deswegen schreiben heute alle Promovenden und Docs und Post-Docs über das gleiche, zitieren dieselben Geistensgrößen und lassen die gleichen Buzz-Wörter fallen, mit denen sie die Geldgeber sich geneigt machen wollen. Eine Art Schwarmintelligenz in Hungerzeiten: "Da muss doch auch für mich noch ein Bröckchen abfallen!"

Ich kann Gronemeyer Kommentar Wort für Wort unterschreiben, bis auf seine Spitzen gegen Englisch als lingua franca der Wissenschaft. Er glaubt, sie sei schuld daran, "dass das Publikum gar nicht mehr beurteilen, ob das Ganze wirkliche Wissenschaft ist, die öffentliche Förderung verdient, oder doch nur Fake". Scheint mit heutzutage das kleinste Hindernis zu sein ...

Donnerstag, 15. November 2018

Dienstag, 13. November 2018

Neue Spielregeln für soziale Medien

Heute brachte Impuls / SWR 2 einen neuen Beitrag von mir über die Regulierung der Internetmedien.
Tatsächlich löschen und sperren Facebook und auch Google, Youtube und Twitter deutlich mehr als früher. Die sozialen Medien in eine unbequeme Rolle geraten: Sie müssen entscheiden, was rassistisch oder obszön ist, wo die Grenzen der Meinungsfreiheit verlaufen.

Fun fact # 31: Interessensharmonie

Andrew Mellon, der Finanzminister der Vereinigten Staaten unter Calvin Coolidge (Amtszeit 1923 bis 1929), ließ seine eigene Steuererklärung von hochrangigen Beamten seines Ministeriums anfertigen, die er anwies, sämtliche Schlupflöcher in den Steuergesetzen auszunutzen.