Montag, 3. Dezember 2018
Fun fact # 32: Meinungsfreiheit
Social Media Intelligence für die Polizei
Mein Text beginnt mit einem bemerkenswerten Startup aus Wien namens Prewave.
„Künstliche Intelligenz trifft Risikoanalyse!“ So wirbt das Wiener Unternehmen Prewave für seine Dienstleistungen, darunter die Streik-Vorhersage anhand von Daten aus den Sozialen Medien. „Ein Streik kann definiert werden als eine geplante Aktion von Beschäftigten oder Gewerkschaften um die Arbeit anzuhalten oder zu verlangsamen“, heißt es in einem wissenschaftlichen Beitrag der Prewave-Gründerin Lisa Madlberger von 2016. Aber: „Schäden können durch rechtzeitige und effiziente Reaktion verringert werden. Allerdings geht oft wertvolle Zeit verloren, weil die Unternehmen zu spät von einem Streik bei ihren Zuliefern oder Transporteuren erfahren.“ Dagegen soll Prewave helfen, indem die Sozialen Medien in Regionen von Interesse systematisch ausgewertet werden, um sich anbahnende Arbeitsniederlegungen zu erkennen. Den Zulieferer zu wechseln, ist übrigens eine gängige Maßnahmen im Supply Change Management. Laut eigenen Angaben gehören zu den Auftraggebern der Firma „große Automobilhersteller, Banken, Logistikkonzerne und Reedereien“.Ein Blogger-Kollege von Netzpolitik hat sich übrigens bereits im September mit dieser Firma beschäftigt. Noch mal übrigens: das Startup wurde mit Steuergeldern gefördert. Streiks ins Leere laufen lassen hat mit polizeilichen Ermittlungen natürlich zunächst wenig zu tun. Aber das Beispiel Prewave zeigt eindrücklich, was Social Media Intelligence im Kern ausmacht: Massendaten aus der Internetkommunkation werden algoritmisch gefiltert und die gefundenen Muster mit statistischen Methoden in die Zukunft verlängert.Funktioniert so etwas? Vielleicht. Die Prewave-Algorithmen durchforsten Twitter, Facebook oder andere Plattformen. Zunächst werden die Texte sozusagen bereinigt, um sie im nächsten maschinell auszuwerten. Aus den Tweets oder Posts werden die Merkmale „Ort“, „Zeitpunkt“ und „Person / Organisation“ extrahiert. Weil es Prewave um die Streik-Vorhersage geht, schließt Person / Organisation in diesem Fall auch Berufsgruppen wie „Taxifahrer“ oder „Hafenarbeiter“ ein. Mit den festgestellten Häufigkeiten dieser Merkmale werden dann Prognosen erstellt.
Donnerstag, 29. November 2018
Montag, 26. November 2018
Montag, 19. November 2018
New Public Science Management
Dieser Markt für fadenscheinige akademische Reputationen konnte sich nur entwickeln, weil der Wissenschaftsbetrieb selbst längst kapitalistischen Marktkriterien unterworfen ist.Gronemeyer kritisiert die "neoliberale Wissenschaftspolitik". Analog zum New Public Management könnten wir sie vielleicht New Public Science Management nennen, mit der einschlägigen Kennzahlen-Fixierung und Standardisierung, aus denen das heutige wissenschaftliche Hordenverhalten resultiert.
Wenn die Lehre an den Universitäten aber finanziell ausgehungert wird und Forschungsgelder nur noch über Drittmittelanträge zu bekommen sind, dann werden auch nur noch die Themen bearbeitet, die in der science economy gerade Konjunktur haben.Eben. Angst führt gerade nicht zu riskantem Verhalten, wie es einer der Glaubenssätze der neoliberalen Ideologie will. Riskant muss echte Forschung aber sein, weil wir bei der vorher nicht wissen, was rauskommt, im Gegensatz zur Pseudo-Forschung. Merke: Angst führt zu Konformität (jedenfalls im Regelfall, bis zu gewissen Schwellenwerten ...). Und genau deswegen schreiben heute alle Promovenden und Docs und Post-Docs über das gleiche, zitieren dieselben Geistensgrößen und lassen die gleichen Buzz-Wörter fallen, mit denen sie die Geldgeber sich geneigt machen wollen. Eine Art Schwarmintelligenz in Hungerzeiten: "Da muss doch auch für mich noch ein Bröckchen abfallen!"
Ich kann Gronemeyer Kommentar Wort für Wort unterschreiben, bis auf seine Spitzen gegen Englisch als lingua franca der Wissenschaft. Er glaubt, sie sei schuld daran, "dass das Publikum gar nicht mehr beurteilen, ob das Ganze wirkliche Wissenschaft ist, die öffentliche Förderung verdient, oder doch nur Fake". Scheint mit heutzutage das kleinste Hindernis zu sein ...
Donnerstag, 15. November 2018
Dienstag, 13. November 2018
Neue Spielregeln für soziale Medien
Tatsächlich löschen und sperren Facebook und auch Google, Youtube und Twitter deutlich mehr als früher. Die sozialen Medien in eine unbequeme Rolle geraten: Sie müssen entscheiden, was rassistisch oder obszön ist, wo die Grenzen der Meinungsfreiheit verlaufen.











