Freitag, 21. September 2018

Was tun bei einer Dauerregierungskrise?

Web.de hat die Antwort. Und macht sich zum Megafon von Olaf Scholz.

Dienstag, 11. September 2018

Mittwoch, 5. September 2018

Früher war alles einfacher. Die Deutschen wussten durchaus, wann und warum sie ebensolche waren. Es überkam sie einfach, keinerlei Experten nötig.

Was hilft gegen die Macht der großen Internetplattformen?

Im Freitag ist ein neuer Text von mir erschienen, der sich mit der Regulierung von Facebook, Google und Co. beschäftigt. Der Titel "Lass mal Kartellrecht ran" stammt nicht vor mir - und führt in die Irre. Die geplanten (beziehungsweise angedachten) Änderungen des Kartellrechts werden das Problem jedenfalls nicht lösen.

Und überhaupt: was ist eigentlich das Problem? Die mögliche Einflussnahme ausländischer Mächte auf die einheimische Bevölkerung? (Geopolitische) Konkurrenz belebt das Geschäft. Die konsequente Steuervermeidung transnationaler Konzerne? Das tun andere Firmen auch. Die EU-Kommission stört an den "Internetgiganten" vor allem, dass es sich um amerikanische statt europäische Unternehmen handelt. Aus bürgerrechtlicher Perspektive macht das keinen Unterschied.

Mir geht es um etwas Grundsätzliches, nämlich um die Privatisierung weiter Teile der "öffentlichen Meinungsbildung". Ein privates Unternehmen eignet sich das Abbild unserer Interaktion an - eben die von uns erzeugten Daten -, macht es zu Geld und nutzt es außerdem für seine Technikentwicklung (KI).

Das ist kein individuelles Problem, à la "Meine Daten gehören mir". Unsere Daten gehören uns! Deshalb brauchen wir auch eine eigene Infrastruktur für sie - eine Infrastruktur die wir kontrollieren.

Ein steuerfinanziertes Facebook? Ein öffentlich-rechtliches Twitter? Für manche klingt das nach einem Schreckensszenario. Mit den sozialen Medien bekämen Regierungen ein mächtiges Instrument in die Hand, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sieht sich ja schon jetzt der Kritik ausgesetzt, seinem Anspruch auf „Staatsferne“ oft nicht gerecht zu werden. Immerhin würde eine Finanzierung, die nicht auf Werbeeinnahmen beruht, mit einem Schlag eine Menge Probleme lösen, zum Beispiel kommerzielle Fake News, die mithilfe von Klickzahlen Einkommen generieren. Algorithmen, die Inhalte auswählen und sortieren, könnten transparenter gestaltet werden, weil sie die Nutzer nicht mehr in Richtung bestimmter Produkte stupsen müssten. Das vielleicht wichtigste Argument: Finanziell unabhängige Plattformen hätten keinen Anreiz mehr, möglichst viele Daten zu sammeln und zu monetarisieren.

Bei Netzpolitik ist übrigens gerade eine ausführliche und empfehlenswerte Zusammenfassung der Regulierungsdebatte erschienen.

Freitag, 31. August 2018

Fake Sciene oder Fake Journalism?

In der aktuellen 'Konkret' interveniere ich in die "Raubverleger-Debatte", die mittlerweile schon wieder etwas abgeklungen ist. Meine Diagnose: das wissenschaftliche Publikationswesen ist kaputt, und die sogenannten Raubverleger sind nicht die Ursache. Viel wichtiger:
Die Forschungspolitik setzt seit Jahrzehnten entsprechend der Lehre vom New Public Management auf mehr Markt und Konkurrenz, auf Konzentration und die Steuerung über Kennzahlen wie Impact-Faktoren oder den Hirsch-Index, der das Ansehen eines Wissenschaftlers in seinem Fach anzeigen soll. Die erwartbare Folge: Forschungsergebnisse werden ausgewalzt, neu verpackt und verteilt, zurechtgebogen, teilweise gefälscht. Wer unbedingt Kennzahlen haben will, wird welche bekommen. Nur bedeuten sie irgendwann nichts mehr.
So wurde die Wissenschaft zu einem der potemkinschen Dörfer des Neoliberalismus – messbare, nachgewiesene Exzellenz, während Schund hergestellt wird.

Ist ja kein Wunder. Zu den wenigen wissenschaftlichen Erkenntnissen, auf die ich zu wetten bereit bin, gehört die folgende aus der Organisationspsychologie: Je leistungsbasierter die individuelle Gratifikation, umso eher sabotieren die Beschäftigten die Arbeit ihrer Konkurrenten.

Ich erwähne in der Kolumne auch die Krise der Replizierbarkeit, kurz gesagt den peinlichen Umstand, dass sich ein großer Teil der wissenschaftlichen Ergebnisse nicht reproduzieren lassen. Eine Antwort auf diese Krise ist, wie immer mehr Transparenz sprich Kontrolle! Aber wissenschaftliche Ergebnisse zu replizieren, dauert länger und macht mehr Mühe als welche zu produzieren. Anders gesagt, schwache Evidenz wird erst veröffentlicht und dann mühsam wieder aus der Welt geschafft. Mir kommt dieses System nicht besonders effizient vor ...

Montag, 27. August 2018

Dienstag, 24. Juli 2018

Harald Martenstein, spaßig und katastrophenblind

Als junger Mensch begeisterte ich mich für Karl Kraus, so wie das üblich ist. Ich ließ mich davon überzeugen, dass dem Menschen sein Stil entspricht. Gut schreiben können heißt: gut denken können. Kraus geht sogar noch weiter und behauptet, dass es unmöglich ist, einen (ethisch oder logisch) falschen Gedanken richtig auszudrücken. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt.

Case in point: Harald Martenstein, der gut schreiben kann. Im Tagesspiegel und der Zeit verfasst Martenstein witzige Kolumnen, die sich locker weglesen und schmunzeln machen. In diesen Kolumnen behauptet er abstruses Zeug und manchmal auch richtig gefährliches Zeug. In der letzten Ausgabe des Zeit-Magazins glossiert er „Über das Wetter“. Liest sich gut und ist doch eine veritable Leugnung der Klimaerwärmung.

Hieß es denn nicht immer, als Folge des Klimawandels regnet es heftiger? Richtig, im Sommer 2017 … meldete sich in der ZEIT der Klimatologe Mojib Latif zu Wort: „Die Zahl der Extremniederschläge ist gestiegen.“ Sein Kollege Stefan Rahmstorf sprang ihm bei: „Daten aus den USA Europa und Australien deuten auf eine erhebliche Zunahme von Extremniederschlägen hin.“ … Der Klimawandel, der 2018 Brandenburg in die Provence verwandelt, war 2017 noch voll und ganz damit beschäftigt Deutschland in ein zweites Bangladesch mit ständigen Überschwemmungen umzumodeln. Wer im Juli 2017 im Glauben an die Klimatologen, einen Pfahlbau errichtete, um sich langfristig zu schützen, der ärgert sich jetzt.
Witzig. Richtig witzig.

Wie sich das Klima regional verändern wird, lässt sich kaum prognostizieren. Dass es sich verändert – und zwar mit katastrophalen Folgen – erleben wir gerade. Hitzewelle und Dürre einerseits und Starkregen andererseits schließen sich überhaupt nicht aus. Es regnet insgesamt weniger, aber wenn es regnet, dann mehr in kürzerer Zeit (mit negativen Folgen für die Vegetation).

Richtig unanständig finde ich das. Stellt sich Martenstein blöd? Er geht über den Anstieg der Extremwetterlagen einfach weg – was stimmt denn nun eigentlich?– , um die alte Leier zu spielen vom Wetter, das eben macht, was es will, keiner weiß, ob es morgen regnen wird oder nicht, was wollen diese sogenannten Wissenschaftler überhaupt? Ich soll nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren? Da kann doch was nicht stimmen!

Wir führen dem Klimasystem mit dem fortgesetzten Verfeuern fossiler Brennstoffe Energie zu. Diese Energie muss irgendwo hin und bringt die eingespielten saisonalen Luftströme und Meeresströmungen durcheinander. Was ist daran schwer zu verstehen? Die letzten drei Jahre waren global die heißesten, seit die Temperaturen gemessen werden, und das Klima wird immer instabiler. Mir fällt es schwer, die Folgen zu beschreiben, ohne alttestamentarisch zu klingen. Es weden kommen Stürme und Fluten, Seuchen und Feuersbrünste. Hungernot Tod und Verderben."

Ich weiß, so etwas überzeugt niemanden – aber was um Himmels Willen überzeugt jemanden, der unbelehrbar witzig ist wie Harald Martenstein?

Besuchen Sie Niederkirchen!

Irgendeinen Grund muss es doch dafür geben.

Polizei und Verfassungsschutz bei Facebook und Co.

Der WDR 5 bringt ein etwas längeres Feature von mir über Social Media Intelligence in Deutschland.

Das Thema ist jüngst noch einmal tagesaktuell geworden, nachdem in Hessen ein Untersuchungsausschuss eingesetzt wurde, der nun klären soll, ob es bei der Anschaffung der Palantir-Software Gotham mit rechten Dingen (beziehungsweise rechtskonform) zuging. Zu den Fragen, die die hessischen Parlamentarier beantworten sollen, gehört allerdings ausdrücklich nicht, was die Polizei eigentlich mit dieser Software treibt und wie sich das mit den Bürger- und Persönlichkeitsrechten verträgt.

Die Grünen sind in diesem Bundesland übrigens an der Regierung beteiligt und enthalten sich jeder Kritik: Wie schon bei den neuen Landespolizeigesetzen gibt es keine Partei, die nicht an dem einen oder anderen Ort zum Ausbau der Überwachungskapazitäten beiträgt.

Montag, 23. Juli 2018

Datenkrake Polizei?

Gestern erschien bei Telepolis der dritte und letzte Teil meiner Miniserie über die polizeiliche Internetauswertung und die Verschiebung von Polizeiarbeit hin zur Prävention. Oder wie es der bayrische Innenminister Joachim Hermann kürzlich ausdrückte, den bemerkenswerten Versuch, mit möglichst vielen Daten "die Täter von morgen heute schon dingfest zu machen".
Polizeiarbeit dreht sich immer stärker um die Begriffe Risiko und Vorbeugung. Diese Entwicklung hat sicher damit zu tun, dass sich mit entsprechender Software Risikoprognosen erzeugen lassen. Aber die "präventive Wende" in der Polizeiarbeit wird weniger vom technischen Fortschritt als vielmehr dem erfolgreichen politischen Agieren der Sicherheitsbehörden angetrieben. Statt bereits begangene Verbrechen aufzuklären, soll die Polizei zukünftige verhindern - und zu diesem Zweck braucht sie angeblich mehr Eingriffsrechte.

Teil 1: Palantir als die Spitze des Eisbergs

Teil 2: Predictive Staatsschutz

Teil 3: "Vor die Lage kommen"

Donnerstag, 28. Juni 2018

Donnerstag, 14. Juni 2018

Automatisierung und proletarische Erfahrung

Kräht der Linke auf dem Mist
Ändert sich die Welt oder bleibt, wie sie ist
Alte Bauernregel. Am Montag habe ich an der Berliner Humboldt-Universität einen Vortrag über "Automatisierungsgeschiche aus proletarischer Perspektive" gehalten. Nun habe ich ihn ausformuliert und ergänzt, um einigen Nachfragen aus der Diskussion Raum zu geben.

Mittwoch, 13. Juni 2018

Fun fact # 30: Pressefreiheit

Die Angestellten des französischen Rundfunks ORTF durften im Frühjahr 1968 nicht über inländische Streiks, Proteste und Unruhen berichten. Selbst der Generalstreik, der im Mai begann, tauchte in der Berichterstattung kaum auf. Gegen die Anweisungen des Informationsministeriums, dem der ORTF direkt unterstand, traten die Beschäftigten in Streik. 72 von ihnen wurden später deswegen entlassen.

Donnerstag, 7. Juni 2018

Nadel im Heuhaufen?

Heute lief in der Sendung Impuls / SWR 2 ein neuer Beitrag von mir zum Thema "Wie Verfassungsschutz und Polizei Daten aus den Sozialen Medien nutzen (wollen)"
Die Digitalisierung verändert die Polizeiarbeit. Einerseits werden Massendaten aus dem Netz mit anderen Datenquellen zusammengeführt. Andererseits versuchen Programmierer, Psychologen und Kriminologen, aus den Massendaten immer tiefere Einblicke zu gewinnen. Sie wollen aus dem Online-Verhalten mithilfe von Maschinenlernen – also: Künstlicher Intelligenz – auf Emotionen, Haltungen und Persönlichkeit der Nutzer schließen.
Die Audio-Datei findet sich hier.

Dienstag, 5. Juni 2018

KI als Fetisch

In der Graswurzelrevolution ist eine sehr ausführliche und sehr wohlwollende Besprechung von Automatisierung und Ausbeutung erschienen: "Industrie 4.0 - Keine Panik!" Der Rezensent Torsten Bewernitz moniert lediglich meinen berüchtigen Hang zum Abwägen und Einschränken:
Wenn es an der historischen Untersuchung Matthias Beckers etwas zu kritisieren gibt, dann vielleicht der Aspekt, dass er angesichts der beschriebenen Entwicklungen in ihrem historischen Kontext zu gelassen bleibt. Allein am Ende scheint doch etwas Unruhe auf: "Es ist, als sei die Menschheit in ein zirkuläres Irresein geraten, aus dem sie nicht herauskommt. Rationalisierung ohne Sinn und Verstand." Ansonsten ist "Automatisierung und Ausbeutung" auch aufgrund des journalistischen Stils eines der gelungensten Bücher zum Thema - Becker wechselt zwischen eigenen Erfahrungen, historischen Recherchen und Industriereportagen und vermixt diese Aspekte zu einem großen Ganzen, indem er die verschiedenen beschriebenen Erfahrungen kontextualisiert. (...) Von solchen Dystopien ist Matthias Becker weit entfernt, ebenso wie er aus der Industrie 4.0 weder eine Dystopie noch wie viele ihrer Vertreter*innen eine Utopie macht. Trotz dieser scheinbaren "Neutralität" ist Beckers Einführung keineswegs trocken-deskriptiv.
Übrigens hat der Soziologe Simon Schaupp im Freitag jüngst einen interessanten Beitrag veröffentlicht, in dem er, pünktlich zum zweihundertsten Todestag, Karl Marx für das Verständnis der Digitalisierung fruchtbar macht. Technik sei ein Fetisch in dessem Sinn:
Als Aufklärer sah sich Marx der Kritik an Gespenstergeschichten aller Art verpflichtet. Dazu zählte er nicht nur die Religion, sondern vor allem den von ihm so bezeichneten „Warenfetisch“. Der Begriff des Fetisches bezeichnet ursprünglich – in den Naturreligionen – den Glauben an die Beseelung unbeseelter Gegenstände. In den modernen Gesellschaften, so Marx, glauben wir, es läge in der Natur der Dinge, dass von der Karotte bis zum Lamborghini jedes Ding einen Geldwert hat. Ein eigentlich menschengemachtes Verhältnis tritt uns entgegen als eine Art autonomes Subjekt, das wie Frankenstein außer Kontrolle geraten ist.
Das trifft es, finde ich, obwohl ich dem Fetischkritisieren mittlerweile egentlich, nun ja, kritisch gegenüberstehe. Schaupp schreibt weiter:
Den Status eines solchen Subjekts hat heute nicht nur das Warenverhältnis, sondern zunehmend auch die Informationstechnologie. Wir glauben nicht nur, dass unsere Computer „intelligent“ seien, wir glauben, sie seien Revolutionäre ... Mit Marx können wir fragen, woher die Digitalisierung ihren revolutionären Willen hat. Die Antwort lautet dann ebenso wie beim Warenfetisch: vom Menschen, der sie gemacht hat.
Auch das scheint mir nichts Neues zu sein. Der Fetisch, der uns beseelt und autonom vorkommt, ist der Kapitalfetisch. Das Kapital hat sich die produktiven Möglichkeiten der Menschen scheinbar angeeignet. Die IT ist totes Kapital (in Gestalt der Maschine), aber auch verdingilchtes Wissen (in Gestalt der Software). Selbst letzteres ist nicht unbedingt neu, die ersten programmgesteuerten Maschinen entstanden schon im 18. Jahrhundert. Die Künstliche Intelligenz vertieft die Arbeitsteilung, hebt sie vielleicht an der ein oder anderen Stelle auf ein neues Niveau. Bekanntlich muss ein Beschäftigter heute nicht mehr unbedingt wissen, wie die Computerprogramme funktionieren, die ihn lenken, oder welche Informationen sie dabei zugrunde legen etc. . Das Wissen anderer Menschen, die diese Software abbildet, tritt ihm selbst im Arbeitsprozess als Fähigkeit des Kapitals entgegen.

Donnerstag, 31. Mai 2018

Fun fact # 29: Inlandsnachrichtendienst

Der Haushalt des Bundesamts für Verfassungsschutz hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt. Im Jahr 2013 betrug er 206 Millionen, im Jahr 2017 lag er bei 391 Millionen Euro.

Montag, 28. Mai 2018

Predictive Staatsschutz - Social Media Intelligence in Deutschland

Wie nutzen Polizei und Staatsschutz die Sozialen Medien? Ein zusammenfassender Beitrag von mir kam letzen Samstag bei Deutschlandfunk Hintergrund. Sich einen Überblick über die tatsächliche Praxis zu verschaffen, ist natürlich alles andere als einfach, ich habe zusammengetragen, was öffentlich bekannt oder unter der Hand gemunkelt wird.

Die Projekte der sogenannten Sicherheitsforschung ("Forschung für die zivile Sicherheit") haben bisher recht wenig öffenliche Aufmerksamkeit gefunden - erstaunlich, finde ich! Und: beunruhigend, finde ich. Denn die Versuche der automatisierten Radikalisierungsdetektion sind bürgerrechtlich hochgefährlich. "Radikalität" – hier verstanden als die Wahrscheinlichkeit, ein politisch motiviertes Verbrechen zu begehen – soll anhand sprachlicher Äußerungen gemessen werden. Aber - darauf muss scheinbar heutzutage wieder hingewiesen werden - weder Hass, noch radikale Ansichten sind verboten. Solche Systeme würden politische Haltungen identifizieren, möglicherweise sogar Persönlichkeitsmerkmal wie Aggressivität oder Ängstlichkeit. Es entstünden sozusagen Big Data-Stimmungsbilder, die gleichwohl wie mit einem Zoom auf einzelne Bürger vergrößert werden könnten.

Dies zunächst natürlich nur im Sinne technischer Kapazitäten. Ob die Polizei diese ausschöpfen darf, ist eine rechtliche Frage. Ein wichtiger Hinweis in diesem Zusammenhang: dass den Ermittlungsbehörden etwas verboten ist, heißt natürlich nicht, dass sie es nicht tun (gerade in einem Bereich, wo alle Fälle "irgendwie Grenzfälle" sind). Bürgerrechtliche und Datenschutz-Vorgaben müssen wirksam durchgesetzt werden, das ist heute keineswegs der Fall.

Dass Social Media Intelligence und die entsprechende Forschung eine zunehmend wichtige Rolle spielen, liegt nicht am technischen Fortschritt ("KI! BIG DATA!"). Dafür gibt es politische Gründe, nämlich ein zunehmend "nachrichtendienstliches Vorgehen" der Polizei. Sie soll bereits bei drohenden Gefahren einschreiten, sich dabei auf Prognosen stützen und Prävention leisten – und das funktioniert eben ohne vorbeugende Überwachung nicht.

Mittwoch, 23. Mai 2018

Donnerstag, 17. Mai 2018

Fun fact # 28: Klimaabkühlung

Klimaanlagen sind laut einem Bericht der Internationalen Energieagentur für ein Zehntel des weltweiten Enegieverbrauchs verantwortlich. Die Autoren prognostizieren, dass der Bedarf in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen wird, besonders in den bereits sehr heißen Regionen der Welt.

Dienstag, 15. Mai 2018

Wenn Google mithilfe Künstlicher Intelligenz gegen den Hass ankämpft

Von wegen "Wir bauen eine U-Bahn von Hamburg nach Auschwitz" - die gibt es schon! Offenbar suchen die meisten Nutzer nach dem Text des (übrigens verbotenen) Liedes. Der findet sich dann zwei Anfragen weiter ...

Freitag, 11. Mai 2018

Facebook, Twitter und Co.: Regulieren, aufspalten oder verstaatlichen?

Telepolis bringt einen Beitrag von mir zur Reform der Sozialen Medien.
Eine Internet-Plattform setzt Nutzerdaten in Wert. Sie verdient an Informationen - und das ist nicht wirklich einzusehen. Warum sollte eine Suchmaschine Geld dafür bekommen, dass sie weiß, was die Leute interessiert? Wieso darf sie - um nur ein Beispiel zu nennen - Künstliche Intelligenz mit Daten entwickeln, die sie geschenkt bekommt, und das fertige Produkt monetarisieren?
Sofern sie Datenhändler sind, informieren die Plattformen das Gemeinwesen darüber, was das Gemeinwesen denkt und tut und wie es sich fühlt. Es handelt sich also um ein Selbstgespräch, für das allerdings Gebühren anfallen. Die Plattformen verkaufen uns, was wir eigentlich bereits haben - ein echter Treppenwitz! Sie sind genau betrachtet nicht einmal kapitalistische Unternehmen im engen Sinne, sondern sozusagen die Grundherren des digitalen Raums, die "Informationsrenten" eintreiben (wie der Ökonom Ralf Krämer es nennt). Sie errichten einen Zaun um ihren Marktplatz und verlangen von den Händlern Eintrittspreise.
Mir geht es vor allem um das Medienökonomische in diesem Text. Angetrieben wird die Reformdebatte aber von der Angst vor ausländischer Einflussnahme auf die einheimische Bevölkerung - "der Russe!" - und, allgemeiner gesagt, durch die immer schärferen zwischenstaatlichen Spannungen. Das World Wide Web zerfällt zusehends in "nationale Intranets", das Internet fragmentiert tendenziell. Das klingt dramatisch - aber es ist der Dramatik der Situation angemessen. Die großen Machtblöcke bekommen jeweils eigene Plattformen, eigene Shopping-Netzwerke, Instant Messaging- und Microblogging-Dienste und Blog-Anbieter. Russland sperrt Telegram, Frankreich entwickelt aus Angst vor Spionage einen eigenen Messenger, ebenso der Iran. Die Regierung kämpfen um die Kontrolle der Öffentlichkeit.

Dienstag, 8. Mai 2018

Die normative Macht des Meteorologischen

Vollkornbrötchen für aktive Menschen

Mittwoch, 4. April 2018

Montag, 26. März 2018

Überlegungen zum achtsamen Selbst

Gerade eben ist bei Telepolis der dritte und letzte Teil meiner Artikel-Serie zur Digitalisierung und Automatisierung der Psychotherapie erschienen.
Die neuen technischen Methoden werden den Charakter und die Ziele von Psychotherapie verändern - und damit unser Menschenbild. Ihre "Automatisierung" ist bedeutet letztlich, die Selbstbedienung auszuweiten. Die Patienten bleiben allein, die Arbeit am eigenen Selbst ist ein einsames Geschäft. Ein psychotherapeutischer Chatbot wie Woebot soll zwar kumpelhaft wirken, aber natürlich wäre es tragisch und grotesk, wenn ein Nutzer dies ernst nähme - so wie jemand, der sich in einen Sprachassistenten wie Siri oder Alexa verliebt. Immerhin, auch das soll schon vorgekommen sein.

Teil 1: Auf dem Weg zum Psychotherapie-Bot

Teil 2: Neue Technologie für die Psychotherapie

Teil 3: Selbstbedienung mit Digitaltechnik

Interview mit Charlotte Jurk: "Das eigene Selbst als Lebensaufgabe macht einsam"

Besonders interessierte mich im letzten Teil dieser Serie das Leitbild der Achtsamkeit. Als Verhaltensstrategie ist diese nämlich weit widersprüchlicher und prekärer, als es den Anschein hat.

Wie lässt sich das achtsame Selbst beschreiben? Es sucht nicht unbedingt die Schuld bei sich selbst, dennoch macht es sich zur unaufhörlichen Aufgabe, an seinem Umgang mit den Umwelteinflüssen zu arbeiten, die auf es einwirken. Die Symptome, die der achtsame Mensch an sich feststellt, gelten ihm als Ausdruck einer zugrundeliegenden Krankheit, nicht etwa als adäquate Reaktion auf die Einflüsse von außen, was ja prinzipiell genauso plausibel wäre. Ich nenne das die ätiologische Interpretation des Leidens.

Gründe, web.de und die Deppenschlagzeilen, die das Portal uns täglich aufnötigt, zu hassen, gibt es viele. Aber manchmal, da haut die Redaktion so weit daneben, dass sie einen Glückstreffer landet. Wie diese Illustration, die schönste Fettleber Deutschlands ...
Gründe, web.de zu lieben.

Montag, 19. März 2018

Der polizeiliche Staatsschutz bei Facebook und Co.

Mit etwas Verspätung reiche ich den Hinweis auf einen Artikel von mir nach, erschienen bei der Wochenzeitung:
Dass Nachrichtendienste sich der breitflächigen Auswertung von Internetkommunikation widmen – im Fachjargon Social Media Intelligence genannt –, ist spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden bekannt. Umso brisanter ist, dass nicht mehr nur die Geheimdienste, sondern auch Polizeibehörden jegliche Kommunikationsdaten für sich nutzen wollen. Denn durch Social Media Intelligence entstehen potenziell Big-Data-Stimmungsbilder aus der Bevölkerung, die gleichzeitig bis hinunter auf ein Individuum aufgelöst werden können.

Donnerstag, 15. März 2018

Montag, 12. März 2018

Verhaltenstherapie, the only game in town

Wie der Zufall es will, auch die BBC-Sendung Click (übrigens fast immer hervorragend) von letzter Woche widmet sich dem psychotherapeutischen Chatbot Woebot, der auch in meinen Radiostücken und Artikeln zum Thema auftaucht. Der BBC-Bericht beleuchtet die Idee, verhaltenstherapeutische Software gegen Depressionen einzusetzen, wohlwollend bis leicht skeptisch. Bezeichnend, wie die Entwicklerin Alison Darcy das Problem beschreibt, das ihre Software angeblich löst:
Intense emotion and distorted thinking is something that we all as humans have. There should be something there that is reliable and effective. I would rather learn some skills that be handed some pills.
Woebot soll Fähigkeiten vermitteln. Die Verhaltenstherapie interessiert sich nicht für Psychodynamik, nicht für Persönlichkeitsformung. Innere Prozesse sind ihr egal, sie behandelt die Psyche als black box. Sie interessiert sich aber keinen Deut mehr für die äußeren Lebensumstände der psychisch Kranken. Noch einmal die Woebot-Entwicklerin:
It’s not events themselves that upset us, but our interpretation of those events. Imagine somebody loses their job. Somebody might think: 'Oh, I am such a loser, I will never get another job.' That is actually what is upsetting them, not the job lose itself. When we feel intense emotion, there is bias in those thoughts.
Soweit der aktuelle Stand der psychologischen Wissenschaft an der Eliteuniversität Stanford.

Die Patienten sollen nicht ihre Umwelt verändern und nicht ihre Persönlichkeit erforschen. Was bleibt dann übrig? Ihre angeblich falsche Wahrnehmung, die "distortions and errors in our thinking", wie in dem Radiobeitrag formuliert wird!

In der Behandlungspraxis bedeutet Verhaltenstherapie „üben, üben, üben“. Verhaltensänderung wird nur als Lernprozess aufgefasst; daher die kognitive Schlagseite dieses Ansatzes. Der Behaviorismus - die theoretische Grundlage der Verhaltenstherapie - beherrscht die Entwicklung entsprechender Software völlig. Auch, aber nicht nur, weil er die psychologische Lehre und Forschung dominiert. Andere Ansätze beruhen auf zwischenmenschlichen Dynamiken, etwa die psychoanalytische Übertragung oder die Arbeitsbeziehung zwischen Therapeut und Patient, die tiefenpsychlogische Prozesse anstoßen soll - in jedem Fall auf intersubjektiven Prozessen, die mit Computerprogrammen nicht umzusetzen sind. Daher ist in der digitalisierten Psychotherapie der Behaviorismus buchstäblich das einzige Angebot, the only game in town.

Zwischenmenschliche Dynamik ist eben etwas anderes als Mensch-Maschine-Interaktion, und zwar unabhängig davon, wie ausgefeilt die Schnittstellen sind. Solange es den Menschen bewusst ist, dass sie mit einer Software interagieren, werden die angesprochenenen Effekte ausbleiben. Die Software wirkt höchstens normativ, sie vermittelt den Nutzern, was gesellschaftlich erwünscht und angeblich wissenschaftlich gesichert ist. Banal, aber entscheidend: der Chatbot ist kein Mensch, deshalb keine intersubjektive Wirkung.

Die Computerprogramme sind Expertensysteme, deren klar definierte Entscheidungsbäume der Komplexität und Individualität der Menschen nicht gerecht werden. Im Bereich der psychischen Krankheiten und Persönlichkeitsstörungen herrschen die Grautöne vor, die Übergänge. Ob statistische Big Data-Analysen erfolgreicher sein werden? Bisher jedenfalls scheint es mir unverantwortlich, verwirrte und belastete Menschen mit electronic mental health abzuspeisen.

Donnerstag, 8. März 2018

Das eigene Selbst als Lebensaufgabe

Ein neuer Text und ein Interview mit der Psychologin Charlotte Jurk zur Digitalisierung der Psychotherapie sind bei Telepolis erschienen. Zwei weitere Teile dieser Mini-Serie folgen demnächst.
Frage: Laut einer Umfrage der Barmer-Krankenkasse leidet heute jeder vierte junge Erwachse (18-24 Jahre) unter einer psychischen Erkrankung. Auch die Zahl der Psychotherapien steigt seit Jahren. Bedeutet das nicht, dass immer mehr Menschen einen echten Leidensdruck spüren und sich deshalb an die Ärzte wenden? Oder bilden die sich das nur ein?

Carlotte Jurk: Natürlich gibt es diesen Leidensdruck. Aber wir müssen das massenhafte individuelle Leiden gesellschaftlich betrachten, um es richtig zu verstehen. Unsere Gesellschaft wurde gänzlich auf Konkurrenz ausgerichtet. Wir sind ständig aufgefordert, selbstbewusst und durchsetzungsfähig sein, um uns gegen unsere Konkurrenten zu behaupten. Wenn dann die Psyche schwächelt, scheint das existenzbedrohend. Unser Gesundheitswesen suggeriert zudem, Leiden sei überflüssig. Den Menschen wird ein entsprechendes Anspruchsdenken regelrecht antrainiert. Aber indem wir das Leiden zu einer medizinischen Angelegenheit machen, geben wir es an die anderen ab. Darum fällt es uns immer schwerer, Leiden auszuhalten. Aber - und das ist meine große Sorge - wenn wir unsere Schwäche immer nur als negativ und bedrohlich erlebt wird, dann erfahren wir ihre Überwindung niemals als eigene Leistung.

Dienstag, 6. März 2018

Manche Ideen veralten nie

Zum Beispiel diese hier, vorgestellt in der Frankfurter Rundschau vor fünfzig Jahren:

Donnerstag, 1. März 2018

War's der Russe?

Seit vor zwei Tagen die Sicherheitslücke im Datennetz der Bundesbehörden bekannt wurde – um zur Abwechslung mal einen harmlosen Ausdruck für diesen Vorgang zu finden – versuchen deutsche Politiker sich gegenseitig mit martialischer Rhetorik zu übertreffen.
Wenn sich das bewahrheitet, ist das eine Form von Kriegsführung gegen Deutschland.
Meint Dieter Janacek, ein Bundestagsabgeordneter der Grünen und der Vorsitzende des Digital-Ausschusses. Angesichts der Tatsache, dass die US-amerikanische Militärdoktrin auf solche Aktionen

einen Vergeltungsangriff mit Nuklearwaffen einschließt

sollten wir alle einmal tief durchatmen und ganz langsam bis hundert zählen.

Bei den "Cyberattacken" und "Hackerangriffen", über die Journalisten und Politiker gerade schwadronieren, handelt es sich immer noch um Spionage. Spionage ist so alt wie die Macht und die Herrschaft. Für Kriegserklärungen musste das Spionieren bisher noch nicht herhalten. Das wäre auch durchaus heuchlerisch, weil ausnahmslos alle Staaten (und Möchtegern-Staaten) dieses Geschäft betreiben, dieses Land mit dem notorisch guten Gewissen eingeschlossen. Wie sehr der russische Staat die Spionage übers Netz lenkt, ist unklar. Mir scheint eine Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsbehörden und "APT28" zwar plausibel – ich bin alles andere als ein Experte! – aber wir wissen eben einfach nicht (und die Zusammenarbeit kann natürlich sehr unterschiedliche Formen annehmen).

Das gegenwärtige kriegstreiberische Gerede ist gefährlich. Denn wenn der Cyberkrieg bereits entbrannt ist, sind "Gegenschläge" und "Vorwärtsverteidigung" gerechtfertigt, und die Auseinandersetzung muss nicht aufs Internet beschränkt bleiben. Deshalb möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass durchaus unklar ist, wer den ersten Schuss in diesem angeblichen Krieg abgegeben hat. Die sehr wenigen belegten Fälle von Sabotage mit Malware – also das, was den Cyberwar angeblich ausmacht - gingen wahrscheinlich von Israel und den USA aus. Der amerikanische Nachrichtendienst NSA greift mit Sicherheit weltweit die meisten Informationen ab. Der deutsche Bundesnachrichtendienst gibt Millionen aus, um IT-Sicherheitslücken zu kaufen (zero day exploits)– was macht er eigentlich mit ihnen?

Montag, 19. Februar 2018

Lass uns nicht von "Digitalisierung" reden


Seit „Automatisierung und Ausbeutung“ erschienen ist, habe ich mein Buch ein paar Mal vorgestellt – in Museen und Buchhandlungen, Kneipen und öffentlichen Büchereien. Das Publikum dort repräsentierte einigermaßen die deutsche Gesamtbevölkerung, denke ich, von "noch ziemlich jung" bis "reifere Jugend", von ganz links bis halbrechts ("unpolitisch"), Provinz und Großstadt, akademisch Fortgeschrittene bis Facharbeiter. Die anschließenden Diskussionen mit und Fragen aus dem Publikum haben mir einen guten Eindruck vermittelt, was die Menschen hierzulande mit der „Digitalisierung“ verbinden (whatever that may be ... dazu gleich mehr!). Die Besucher meiner Veranstaltungen treibt um:

- die Fortschritte bei der Künstlichen Intelligenz

- besonders die Frage, ob dadurch die Arbeitslosigkeit steigen wird

- die Geschäftsmodelle, die durch die fortschreitende Vernetzung über das mobile Internet und das Internet der Dinge möglich werden

- und zwar vor allem der digitale Niedriglohnsektor namens Gig Economy und Crowdwork

- schließlich die Rolle der "Datenhändler" wie Google, Amazon oder Facebook

Leider kursieren viele Gerüchte und Missverständnisse über all diese Entwicklungen.

Donnerstag, 15. Februar 2018

Dienstag, 13. Februar 2018

Schöne neue Welt der digitalen Psychotherapie

Schöne neue Welt der Psychotherapie – effizient, zielgerichtet, automatisch – das heißt: mit minimalem Personaleinsatz.
So beschreibe ich es in meinem Radiofeature über die Digitalisierung der psychologischen und psychiatrischen Behandlungen, letzte Woche ausgestrahlt vom WDR. Und ich berichte auch von meinem Selbstversuch mit Woebot, einem Chatbot, der von einer Gruppe an der Universität Stanford ganz ernsthaft zur verhaltenstherapeutischen Depressionsbehandlung bei Jugendlichen propagiert wird. Bisher versteht die Software allerdings ziemlich wenig, weshalb sich zwischen mir und der strohdummen KI beispielsweise folgender authentischer Dialog entspann:
Woebot: Ping! Hey Matthias! Hast du einen Moment, darüber nachzudenken, was heute gut gelaufen ist?

Me: Das habe ich doch gerade erst getan.

Woebot: Super! Noch etwas? Ein positives Ereignis, klein oder groß?

Myself: Also, ich war arbeiten.

Woebot: Phantastisch! Fällt dir noch etwas ein?

Oder dieses Gespräch, das nebenbei die völlig überdrehte Fröhlichkeit der Software verdeutlicht:
Woebot: Hey Matthias! Siehst du die Dialogfelder am unteren Bildschirmrand?

Me: Ja.

Woebot Das läuft ja super! Wir machen große Fortschritte. Bevor wir anfangen, muss ich dir einige Dinge über mich erzählen. Ich benutze die kognitive Verhaltenstherapie.

Myself: Ja, das weiß ich.

Woebot: Die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie ist wissenschaftlich belegt. Sie ist kurz und praktisch.

I: Okay, ich höre Dir zu.

Woebot: Nein, dafür musst du zu einem richtigen Therapeuten gehen.

Da stellen sich natürlich Fragen über Fragen, als erste natürlich: Ist es überhaupt verantwortbar und ethisch zu vertreten, eine solche Software für die Selbstbehandlung hilfsbedürftiger Menschen auf den Markt zu bringen?

Dienstag, 23. Januar 2018

Lesen im digitalen Kaffeesatz

Mein Freund ist Roboter.
Kostet die Digitalisierung vor allem die Arbeitsplätze der Männer, wie Carl Benedikt Frey meint? Oder doch vor allem die von Frauen? Davon jedenfalls ist das Weltwirtschaftsforum überzeugt.

Ist die Künstliche Intellgenz mittlerweile sogar schlauer als wir ? Oder vielleicht doch eher doof und für die weitere Rationalisierung kaum zu gebrauchen?

Oder aber: Handelt es sich - möglicherweise, eventuell und nur vielleicht - bei den meisten Publikationen über Digitalisierung um Junk Sciences?

Fragen über Fragen. Morgen stelle ich mein Buch "Automatisierung und Ausbeutung" in München vor, übermorgen in Dießen.

Freitag, 19. Januar 2018

Psychotherapie als App

Therapeutisierung im Zeitraffer - die Zahl der Psychotherapien steigt seit Jahren.
Was braucht ein Mensch, um sich vom Stress des Alltags freizumachen und seinen inneren Frieden zu finden? Einen Stuhl, ein Smartphone und drei Minuten Meditation am Tag.
So formuliert es Maja Brankovic, Wirtschaftsredakteurin bei der FAZ. Die sogenannten Achtsamkeits-Apps verbreiten sich überall. Dabei geht es nicht nur um "Befindlichkeitsstörungen", sondern auch um regelrechte psychische Krankheiten: Angststörungen, Depressionen, Phobien. In Deutschland leiden vier Million Menschen unter einer solchen Erkrankung. Und laut einer Studie der DAK kommen auf 100 Versicherte im Schnitt 246 Fehltage wegen einer Depression, einer Anpassungs- oder Belastungsstörung. Sind Smartphones und das mobile Internet die Lösung – oder wenigstens ein Teil der Lösung?
Der Markt für Mental Health-Apps wächst jedenfalls. Schon träumen Forscher und Unternehmer von der automatisierten Psychotherapie.

Die Sendung "Zeitfragen" beim Deutschlandfunk Kultur (so heißt der jetzt wirklich ...) brachte gestern einen Beitrag von mir zum Thema "Digitalisierung der Psychotherapie". Kann hier angehört werden.

Montag, 15. Januar 2018

Digitale Automatisierung und das unaufhörliche Ende der Arbeit

Für die Konkret habe ich eine Art Warnhinweis über den Zusammenhang von Produktivkraft und Informationstechnik verfasst, der auf meiner Webseite nachgelesen werden kann: Nichts Neues vom Fortschritt.

Ich habe mir bei diesem Text viel Mühe gegeben, das Problem einfach und prägnant darzustellen. In der Digitalisierungsdebatte wird zu oft mit mäandrierendem Soziologensprech Tiefsinn vorgetäuscht.
Die Debatte über Datenverarbeitung, Informationstechnik und Wissensgesellschaft krankt daran, dass die zugrundeliegenden Begriffe ganz unscharf verwendet werden, obwohl es gerade auf ihren Unterschied ankommt ... Wissen lässt sich nicht sinnvoll mengenmäßig bestimmen. Erving Goffman prägte den schönen Satz, es sei von allen Dingen am schwierigsten zu bewachen, "denn es kann gestohlen werden, ohne es wegzunehmen." Für die Produktion von Stahl ist Wissen ebenso notwendig wie Kohle, aber im Gegensatz zur Kohle wird es nicht durch seine Anwendung zerstört. Es kann nicht von lebenden Individuen abgetrennt werden. Um ihr Wissen zu teilen, müssen diese es entäußern – weniger gestelzt ausgedrückt: es aufschreiben oder aussprechen –; im günstigen Fall wird es zum Wissen anderer Menschen werden. Das Vervielfältigen von Computerdateien an sich vergrößert dagegen das Wissen kein bisschen. Menschen müssen sich die Fülle der Informationen erst aneignen. Kurz, Wissen ist das Ergebnis von Verstehen, Begreifen und Erfahren. Wir können den Analphabetismus nicht bekämpfen, indem wir ganz, ganz viele Bücher drucken.

Freitag, 12. Januar 2018

Mittwoch, 10. Januar 2018

Hauptsache Krawall

Täglich wieder verbale Randale bei web.de - denn nichts bringt mehr Klicks.

Dienstag, 9. Januar 2018

Digitalisierung der Psychotherapie

Biopolitische Rationalisierung, eine neue Stufe der Medikalisierung, Künstliche Intelligenz und emotionale Selbstvermessung - die Digitalisierung der Psychotherapie hat viele Aspekte. Nicht alle, aber wenigstens ein paar davon haben in meinen neuen Radiobeitrag für Impuls bei SWR 2 gepasst.