Freitag, 31. August 2018

Fake Sciene oder Fake Journalism?

In der aktuellen 'Konkret' interveniere ich in die "Raubverleger-Debatte", die mittlerweile schon wieder etwas abgeklungen ist. Meine Diagnose: das wissenschaftliche Publikationswesen ist kaputt, und die sogenannten Raubverleger sind nicht die Ursache. Viel wichtiger:
Die Forschungspolitik setzt seit Jahrzehnten entsprechend der Lehre vom New Public Management auf mehr Markt und Konkurrenz, auf Konzentration und die Steuerung über Kennzahlen wie Impact-Faktoren oder den Hirsch-Index, der das Ansehen eines Wissenschaftlers in seinem Fach anzeigen soll. Die erwartbare Folge: Forschungsergebnisse werden ausgewalzt, neu verpackt und verteilt, zurechtgebogen, teilweise gefälscht. Wer unbedingt Kennzahlen haben will, wird welche bekommen. Nur bedeuten sie irgendwann nichts mehr.
So wurde die Wissenschaft zu einem der potemkinschen Dörfer des Neoliberalismus – messbare, nachgewiesene Exzellenz, während Schund hergestellt wird.

Ist ja kein Wunder. Zu den wenigen wissenschaftlichen Erkenntnissen, auf die ich zu wetten bereit bin, gehört die folgende aus der Organisationspsychologie: Je leistungsbasierter die individuelle Gratifikation, umso eher sabotieren die Beschäftigten die Arbeit ihrer Konkurrenten.

Ich erwähne in der Kolumne auch die Krise der Replizierbarkeit, kurz gesagt den peinlichen Umstand, dass sich ein großer Teil der wissenschaftlichen Ergebnisse nicht reproduzieren lassen. Eine Antwort auf diese Krise ist, wie immer mehr Transparenz sprich Kontrolle! Aber wissenschaftliche Ergebnisse zu replizieren, dauert länger und macht mehr Mühe als welche zu produzieren. Anders gesagt, schwache Evidenz wird erst veröffentlicht und dann mühsam wieder aus der Welt geschafft. Mir kommt dieses System nicht besonders effizient vor ...

Montag, 27. August 2018

Dienstag, 24. Juli 2018

Harald Martenstein, spaßig und katastrophenblind

Als junger Mensch begeisterte ich mich für Karl Kraus, so wie das üblich ist. Ich ließ mich davon überzeugen, dass dem Menschen sein Stil entspricht. Gut schreiben können heißt: gut denken können. Kraus geht sogar noch weiter und behauptet, dass es unmöglich ist, einen (ethisch oder logisch) falschen Gedanken richtig auszudrücken. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt.

Case in point: Harald Martenstein, der gut schreiben kann. Im Tagesspiegel und der Zeit verfasst Martenstein witzige Kolumnen, die sich locker weglesen und schmunzeln machen. In diesen Kolumnen behauptet er abstruses Zeug und manchmal auch richtig gefährliches Zeug. In der letzten Ausgabe des Zeit-Magazins glossiert er „Über das Wetter“. Liest sich gut und ist doch eine veritable Leugnung der Klimaerwärmung.

Hieß es denn nicht immer, als Folge des Klimawandels regnet es heftiger? Richtig, im Sommer 2017 … meldete sich in der ZEIT der Klimatologe Mojib Latif zu Wort: „Die Zahl der Extremniederschläge ist gestiegen.“ Sein Kollege Stefan Rahmstorf sprang ihm bei: „Daten aus den USA Europa und Australien deuten auf eine erhebliche Zunahme von Extremniederschlägen hin.“ … Der Klimawandel, der 2018 Brandenburg in die Provence verwandelt, war 2017 noch voll und ganz damit beschäftigt Deutschland in ein zweites Bangladesch mit ständigen Überschwemmungen umzumodeln. Wer im Juli 2017 im Glauben an die Klimatologen, einen Pfahlbau errichtete, um sich langfristig zu schützen, der ärgert sich jetzt.
Witzig. Richtig witzig.

Wie sich das Klima regional verändern wird, lässt sich kaum prognostizieren. Dass es sich verändert – und zwar mit katastrophalen Folgen – erleben wir gerade. Hitzewelle und Dürre einerseits und Starkregen andererseits schließen sich überhaupt nicht aus. Es regnet insgesamt weniger, aber wenn es regnet, dann mehr in kürzerer Zeit (mit negativen Folgen für die Vegetation).

Richtig unanständig finde ich das. Stellt sich Martenstein blöd? Er geht über den Anstieg der Extremwetterlagen einfach weg – was stimmt denn nun eigentlich?– , um die alte Leier zu spielen vom Wetter, das eben macht, was es will, keiner weiß, ob es morgen regnen wird oder nicht, was wollen diese sogenannten Wissenschaftler überhaupt? Ich soll nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren? Da kann doch was nicht stimmen!

Wir führen dem Klimasystem mit dem fortgesetzten Verfeuern fossiler Brennstoffe Energie zu. Diese Energie muss irgendwo hin und bringt die eingespielten saisonalen Luftströme und Meeresströmungen durcheinander. Was ist daran schwer zu verstehen? Die letzten drei Jahre waren global die heißesten, seit die Temperaturen gemessen werden, und das Klima wird immer instabiler. Mir fällt es schwer, die Folgen zu beschreiben, ohne alttestamentarisch zu klingen. Es weden kommen Stürme und Fluten, Seuchen und Feuersbrünste. Hungernot Tod und Verderben."

Ich weiß, so etwas überzeugt niemanden – aber was um Himmels Willen überzeugt jemanden, der unbelehrbar witzig ist wie Harald Martenstein?

Besuchen Sie Niederkirchen!

Irgendeinen Grund muss es doch dafür geben.

Polizei und Verfassungsschutz bei Facebook und Co.

Der WDR 5 bringt ein etwas längeres Feature von mir über Social Media Intelligence in Deutschland.

Das Thema ist jüngst noch einmal tagesaktuell geworden, nachdem in Hessen ein Untersuchungsausschuss eingesetzt wurde, der nun klären soll, ob es bei der Anschaffung der Palantir-Software Gotham mit rechten Dingen (beziehungsweise rechtskonform) zuging. Zu den Fragen, die die hessischen Parlamentarier beantworten sollen, gehört allerdings ausdrücklich nicht, was die Polizei eigentlich mit dieser Software treibt und wie sich das mit den Bürger- und Persönlichkeitsrechten verträgt.

Die Grünen sind in diesem Bundesland übrigens an der Regierung beteiligt und enthalten sich jeder Kritik: Wie schon bei den neuen Landespolizeigesetzen gibt es keine Partei, die nicht an dem einen oder anderen Ort zum Ausbau der Überwachungskapazitäten beiträgt.

Montag, 23. Juli 2018

Datenkrake Polizei?

Gestern erschien bei Telepolis der dritte und letzte Teil meiner Miniserie über die polizeiliche Internetauswertung und die Verschiebung von Polizeiarbeit hin zur Prävention. Oder wie es der bayrische Innenminister Joachim Hermann kürzlich ausdrückte, den bemerkenswerten Versuch, mit möglichst vielen Daten "die Täter von morgen heute schon dingfest zu machen".
Polizeiarbeit dreht sich immer stärker um die Begriffe Risiko und Vorbeugung. Diese Entwicklung hat sicher damit zu tun, dass sich mit entsprechender Software Risikoprognosen erzeugen lassen. Aber die "präventive Wende" in der Polizeiarbeit wird weniger vom technischen Fortschritt als vielmehr dem erfolgreichen politischen Agieren der Sicherheitsbehörden angetrieben. Statt bereits begangene Verbrechen aufzuklären, soll die Polizei zukünftige verhindern - und zu diesem Zweck braucht sie angeblich mehr Eingriffsrechte.

Teil 1: Palantir als die Spitze des Eisbergs

Teil 2: Predictive Staatsschutz

Teil 3: "Vor die Lage kommen"

Donnerstag, 28. Juni 2018

Donnerstag, 14. Juni 2018

Automatisierung und proletarische Erfahrung

Kräht der Linke auf dem Mist
Ändert sich die Welt oder bleibt, wie sie ist
Alte Bauernregel. Am Montag habe ich an der Berliner Humboldt-Universität einen Vortrag über "Automatisierungsgeschiche aus proletarischer Perspektive" gehalten. Nun habe ich ihn ausformuliert und ergänzt, um einigen Nachfragen aus der Diskussion Raum zu geben.

Mittwoch, 13. Juni 2018

Fun fact # 30: Pressefreiheit

Die Angestellten des französischen Rundfunks ORTF durften im Frühjahr 1968 nicht über inländische Streiks, Proteste und Unruhen berichten. Selbst der Generalstreik, der im Mai begann, tauchte in der Berichterstattung kaum auf. Gegen die Anweisungen des Informationsministeriums, dem der ORTF direkt unterstand, traten die Beschäftigten in Streik. 72 von ihnen wurden später deswegen entlassen.