Montag, 2. August 2010

Die Facebook-Seite von Mullah Omar ...

Mit Bezug auf die von WikiLeaks veröffentlichten Dokumente zum Krieg in Afghanistan analysiert Detlev Borchers den Trend, dass Nachrichtendienste und Militär immer stärker auf veröffentlichte Informationen zurückgreifen - eine Entwicklung, die auch in meinem Buch 'Datenschatten' eine gewisse Rolle spielt. Meine These:
Der Trend bei der Überwachungstechnik geht zu „Dataveillance“ – der „Überwachung der Datenlage“ durch eine möglichst umfassende Integration verschiedener Informationsquellen und eine möglichst weitgehende Automatisierung.

Borchers lehnt sich allerdings ziemlich weit aus dem Fenster, wenn er behauptet, die Open Source Intelligence (Osint) habe die von arkanen oder einfach nicht-digitalisierten Informationen "überholt". Er schreibt:
Die Auswertung öffentlich bekannter Quellen wie Nachrichtensendungen, Zeitungsartikeln oder von Blogeinträgen und anderen Daten, die im Internet verfügbar sind, angereichert mit Informationen aus Datenbanken, hat der Bedeutung nach die klassischen Spähtechniken überholt. „Sigint“, die „Signal Intelligence“, das direkte Abhören der Sendesignale des Feindes, oder die Informationsarbeit von Spionen, „Humint“ genannt, spielen im Zeitalter der Datennetze nicht mehr die größte Rolle. Dafür wird die Software immer wichtiger, die Daten analysiert und „nachrichtendienstlich anreichert“, wie es im Sprachgebrauch des Bundesnachrichtendienstes heißt. (...) „Osint“-Systeme werten Massendaten aus und verknüpfen gerade im militärischen Bereich ihre Suchstrategien mit Echtzeitdaten, die von den unterschiedlichsten Sensoren kommen können (eine Grenzübergangsstelle zum Beispiel). Dabei geht es nicht nur um einfache „Treffer“, sondern auch um die Analyse von Trends. Eine große Rolle spielt die Mustererkennung, mit der etwa Verbindungen zwischen verschiedenen Mitgliedern des sozialen Netzwerks Facebook mit den in anderen Datenbanken vorhandenen Reiseinformationen abgeglichen werden.

Das ist, vor dem Hintergrund des Kriegs in Afghanistan, eine spaßige Idee: selbst wenn die dortigen Kämpfer Facebook benutzen, werden sie vermutlich schlau genug sein, nichts zu veröffentlichen, was dem Feind nutzen könnte. In 'Datenschatten' entwickle ich ausführlich, dass die automatisierte Auswertung von Massendaten ihre Grenze findet, wenn sie gegen eine bewusst agierende und planende Organisation eingesetzt wird. Sie taugt, wie der Name nahelegt, zur polizeilich-politischen Überwachung der Masse, aber eben kaum zur "Terrorbekämpfung".

Donnerstag, 29. Juli 2010

Katzen tun immer so harmlos - Teil 2

Jetzt noch blutiger:
Eine Katze hat am Mittwochabend in Wartenberg einen Polizisten so kräftig in den Unterarm gebissen, dass der Beamte dienstunfähig wurde. Der Polizist hatte das schwarz-weiß getigerte Tier aus einer Wohnung holen wollen. (...) Nach der Beißattacke auf den Beamten kam das Tier zum Tiernotdienst. Der Polizist musste im Krankenhaus behandelt werden.

Wir wünschen allen Beteiligten gute Besserung ...

Montag, 26. Juli 2010

Montag, 19. Juli 2010



Sonntag, 18. Juli 2010





Mittwoch, 14. Juli 2010

"Eine grundsätzliche Kritik am Entstehen und an der Auswertung der Datenschatten"


Auch in meinem Fall verbirgt sich hinter der Maske eines abgebrüht-zynischen Journalisten - I'm only in it for the money! - ein empfindsamer Schreiber, der verstanden werden will. Deshalb freut mich besonders, dass Dieter Kochheim sich mit meinem Buch "Datenschatten - Auf dem Weg in die Überwachungsgesellschaft?" auseinandergesetzt hat - meines Wissens die erste veröffentlichte Kritik, die über die Verlagsinfos hinausgeht! Dieter Kochheim ist Staatsanwalt, ein Experte für Computer- und Internet-Kriminalität und er betreibt die ausgezeichnete Internetseite "Cyberfahnder", die sich aus polizeilich-juristischer Perspektive mit eben diesen Themen beschäftigt.
Becker geht es um eine grundsätzliche Kritik am Entstehen und an der Auswertung der Datenschatten als geheimer Prozess und an der präsenten Überwachung überhaupt. Die Kehrseite davon artet leicht zur Maschinenstürmerei einerseits oder zur Hilflosigkeit andererseits aus.
Das Buch "Datenschatten" begreife ich selbst als "solidarische Kritik" an der neuen deutschen Datenschutz-und Bürgerrechtsbewegung. Gegen deren Privatheitsfetisch wende ich ein, dass bisher jede Gesellschaft eine "Überwachungsgesellschaft" war, weil in jeder Gewsellschaft kontrolliert wird, ob die sozialen Erwartungen auch eingehalten wurden. Die Kritik am Datenschatten, der durch die maschinengestütze Informatisierung des Alltags entsteht, greift viel zu kurz, behaupte ich und fühle mich deshalb so gar nicht als Maschinenstürmer. Hinter den Auseinandersetzungen um Überwachung stehen die interessanteren Konflikte ...

Mittwoch, 7. Juli 2010

"Die ostdeutsche Staatssicherheit könnte, mit moderner Überwachungstechnik ausgestattet, den Großteil ihrer Mitarbeiter entlassen."

Heute ist ein (etwas wirres) Interview mit mir über mein Buch "Datenschatten" in der badischen Tageszeitung Südkurier erschienen.
Also müssen wir mit den Datenschatten leben?

Ja, das müssen wir! Und der Datenschatten wäre auch nicht weiter schlimm, wenn wir in einer besseren, gerechteren Gesellschaft leben würden. So aber machen die Möglichkeiten der digitalen Kontrolle in der Regel die Starken stärker und dienen zur Unterdrückung und Ausbeutung.

Donnerstag, 1. Juli 2010


Die Denkungsart des Bürgertums (ist in der Pädagogik) wie in allen Bereichen auf undialektische Weise gespalten und in sich zerrissen. Auf der einen Seite die Frage nach der Natur des Zöglings: Psychologie der Kindheit, des Jugendalters, auf der anderen Seite das Erziehungsziel: der Vollmensch, der Staatsbürger. Die offizielle Pädagogik ist das Verfahren, diese beiden Momente - die abstrakte Naturanlage und das chimärische Ideal - einander anzupassen, und ihre Forschritte liegen dabei in der Linie, zunehmend List an die Stelle der Gewalt zu setzen.

Walter Benjamin, Eine kommunistische Pädagogik (1929)

Mittwoch, 23. Juni 2010

Sicherungsverwahrung und kein Ende ...

Gestern Abend lief beim Deutschlandfunk ein neuer Beitrag von mir über die Sicherungsverwahrung. Allerdings sind nur die ersten sechs Minuten von mir, der Rest von dem Kollegen Michael Kuhlmann.

Der Menschenrechtsgerichtshof der Europäischen Union hat bekanntlich vor einigen Monaten die deutsche Praxis der Präventivhaft gerügt. Keine Erwähnung findet in dem Radiobeitrag die Hinhaltetaktik der Justiz, die die Vorgaben aus Brüssel - beispielsweise die sogenannten Altfälle freizulassen - rechtswidrig einfach nicht umsetzt.