Freitag, 18. September 2026

Dienstag, 15. September 2026

Konservativ + - reaktionär

Für Andruck / Deutschlandfunk habe ich "Glanz und Elend der Konservativen" von Roger de Weck besprochen. Der bekannte Publizist ist ein Liberaler und Demokrat und durchaus ein Antifaschist. Er appelliert an die europäischen Mitte-Rechts-Parteien wie beispielsweise die CDU (eigentlich vor allem an die CDU ...), dieses Mal den Faschisten nicht die Steigbügel zu halten oder, um es zeitgemäßer zu sagen, nicht die Passwörter zu verraten, jedenfalls ihnen nicht zur Staatsmacht zu verhelfen. Die vielbemühte Brandmauer sei in ihrem eigenen parteipolitischen Interesse, weil sie sonst zwischen links und rechts zerrieben würden. Seine Argumentation lässt sich mit einem Satz zusammenfassen, der praktischerweise auch auf dem Einband steht:
Niemand kann die Demokratie wirksamer verteidigen – oder aber massiver schwächen als Konservative. Auf sie kommt es an.
Angesichts des blutigen Ernstes dieser Frage verbietet sich kleinliches Mäkeln: Volksfront, Einheitsfront, was immer, ich bin dabei und dafür. Trotzdem will ich nicht verschweigen, dass mich diese Behauptung nicht überzeugt. In dem Radiobeitrag sage ich:
Ist der stärkste Gegner der AfD wirklich die CDU? Das ist doch zweifelhaft. Wahlen werden auf absehbare Zeit nicht mehr in der Mitte entschieden. Das häufig zu hörende Argument, die AfD wolle "eine andere Republik" oder gehöre "nicht zur bürgerlichen Mitte", verfängt nicht mehr.
De Weck bedient eine Art illusionären Schönwetter-Liberalismus, wenn er beispielsweise behauptet, ein erneuertes konservatives Programm mit ein bisschen mehr Europa und ein bisschen mehr Umweltschutz könne den Vormarsch der "Rechtsautoritären" aufhalten. Die Demokraten können und werden nicht zusammenhalten beziehungsweise der Zusammenhalt (des staatstragenden Teils) der politischen Klasse wird nichts nutzen, wenn die Konflikte nicht gelöst oder wenigstens abgemildert werden, die den Faschisten Wähler und Aktivisten zutreiben. Dabei handelt es sich meines Erachtens um die brutalen und ökonomisch unsinnigen Sozialkürzungen, die Militarisierung der Gesellschaften und die geopolitische Lagerbildung. Aktuell sind es in Deutschland die Konservativen - meinetwegen: Möchtegern-Konservative -, die eine entsprechende Politik vorantreiben - meinetwegen: staatstragend und demokratisch vorantreiben. Im Hintergrund steht die tendenzielle säkuläre Stagnation, das Wirtschaftswachstum wird immer schwächer und muss daher mit immer brachialeren ökologischen und sozialen Folgeschäden erzeugt werden, auch hierzulande.

Wie groß ist wohl der Teil der deutschen Bourgeoisie, der bereit wäre, von diesem Programm Abstriche zu machen? Umverteilung, Orientierung auf Postwachstum, Abschied von der Kriegstüchtigkeit (übrigens meines Erachtens nach vor allem ein rüstungskeysianisches Rettungsprogramm für die deutsche industrielle Fertigung)? So viel Phantasie bringe ich nicht auf.

Interessant an "Glanz und Elend der Konservativen" fand ich vor allem den theoriegeschichtlichen Teil. De Weck sucht nach der Trennlinie zwischen Reaktionären (= Anti-Demokraten) und Konservativen. Beide Traditionslinie beginnen, wie er zeigt, mit Edmund Burke und dessen Kampf gegen die Französische Revolution. Konservative und reaktionäre Politiken und Ideologien überkreuzen und mischen sich seitdem. Roger de Weck gibt sich viel Mühe, aber findet letztlich als Unterscheidungsmerkmal nur eine (oft widerwillige) Akzeptanz der Massendemokratie und ihrer Verfahrensregeln, wiederum Ausdruck einer Anpassungsbereitschaft an gesellschaftliche Modernisierungsprozesse und einer Abneigung gegen den Umsturz in irgendeine Richtung.

Als politische Strömung hat "das Konservative" keinen Wesenskern, nicht einmal die "Gott, (patriarchale) Familie, Vaterland" als Programm. Geht es also letztlich um eine Haltung oder sogar um bloé Neigungen und Präferenzen? "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet", formulierte der reaktionäre Revolutionär Carl Schmitt, der Konservative Odo Marquard hielt dagegen: "Vernünftig ist, wer den Ausnahmezustand vermeidet."

Montag, 14. September 2026

In der Medientheorie wird der Wert einer Nachricht anhand verschiedener Kriterien bestimmen (und das soll in der Medienpraxis der Wahrscheinlichkeit ihrer Veröffentlichung entsprechen). "Überraschung" zum Beispiel, wenn ein Mann einen Hund beißt, um das klassische Beispiel für news value anzuführen. "Personalisierung und Prominenz", wenn beispielsweise Friedrich Merz seine privatversicherten Beißerchen in einen Hund versenkt hat. "Relevanz", wenn der Bundeskanzler ganz viele Haustiere beißt und so die deutschen Hundebesitzer in Angst und Schrecken versetzt. "Nähe", wenn er das in meinem Heimatdorf getan hat. "Kontroverse", wenn ihn ein Hundebesitzer aus meiner Nachbarschaft deswegen bei der Polizei anzeigt.

Soweit klar? Soweit klar. Aber um Himmels Willen, welche news values erfüllt das hier?

Freitag, 4. September 2026

Fun fact # 103: Weltgeltung

Seit dem 17.Jahrhundert besaß Dänemark ein Kolonie auf den Jungferninseln in der Karibik, genannt Dansk Vestindien. 1917 verkaufte Dänemark die Gebiete an die USA.

Dienstag, 1. September 2026

Wer Boulevard machen will, muss sich Schamgefühle ganz schnell abgewöhnen. Irgendwann fällt einem dann gar nichts mehr auf.

Freitag, 21. August 2026

"Sommerlich"

2026 wird höchstwahrscheinlich das heißeste Jahr in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnung werden. Noch allerdings ist 2024 der Spitzenreiter, gefolgt von den Jahren 2023, 2018, 2022, 2020 und 2014 (in dieser Reihenfolge). Laut einer Bestandsaufnahme des Helmholtz-Verbunds Regionale Klimaveränderung und Mensch hat sich die durchschnittliche Anzahl der Hitzetage seit 1950 verdreifacht (von 3,5 auf 11,4). Die Zahl der Hitzewellentage – fünf oder mehr aufeinander folgende heiße Tage – stieg in diesem Zeitraum von 4,3 auf 15. Das Robert-Koch-Institut schätzt die hitzebedingte Übersterblichkeit bis zum 9. August - also noch vor dem Ende der diesjährigen Hitzewellen - auf 20 000 Verstorbene.

Aber Medien wie web.de können oder wollen den Ernst der Lage nicht erkennen.

Donnerstag, 20. August 2026