Der Anstieg der Zahlungen an den BND im Vergleich zum Vorjahr entspricht ungefähr einem Viertel. Laut Economist soll das Geld vor allem für Überwachungstechnik, KI-Kapazitäten und Satellitentechnik ausgegeben werden.
Mittwoch, 6. Mai 2026
Fun fact # 93: Austerität
Freitag, 10. April 2026
Wen oder was schützt der Datenschutz?
Im Schlepptau führe der Diskurs über den Datenschutz ein zutiefst bürgerliches Weltbild: Menschen erscheinen lediglich als Eigentümer, ihre Interaktion reduziert auf Tausch, vertraglich geregelt und vom Recht beschützt. Ihre individuelle Freiheit verteidigt der Datenschutz gegen den Staat – auch wenn sie in krassem Widerspruch zum Gemeinwohl steht.Ich finde die Kritik von Timo Daum richtig und wichtig. Auch dass er betont, dass "Überwachung" mit digitaltechnischen Mitteln vertretbar, weil nützlich und oft schlicht unvermeidbar ist, ist sehr verdienstvoll.
Antrieb des Datenschutzes als Ideologie ist eine diffuse Angst, deren Stärke umso größer ist, je undeutlicher die Drohung und die Bedroher bleiben. Geht die Gefahr vom staatlichen großen Bruder aus, von vielen unternehmerischen kleinen Brüdern oder horizontal von Mitmenschen, die etwas Intimes erfahren könnten und deren Urteil uns wichtig ist? Oder von allen gleichzeitig und gleichermaßen? In welchem Verhältnis stehen überhaupt der große Bruder und seine vielen kleinen Geschwister?
Gerade diese Unbestimmtheit macht den affirmativen Charakter aus. Der Datenschutz wird als Lösung für gesellschaftliche Probleme vorgestellt, die freilich jedem Einzelnen überlassen bleibt, der für "seine Daten" verantwortlich sein soll. Timo Daum zieht einen treffenden Vergleich mit dem CO2-Fußabdruck in der Umweltpolitik:
Umweltschädliche Produkte würden nur produziert, weil wir sie nachfragten und kauften, will man uns mit dieser durchschaubaren Strategie weismachen. Mit unserem Überwachungs-Fußabdruck ist es ähnlich: Man will uns glauben machen, wir hätten es selbst in der Hand, diesen möglichst klein zu halten – mit informierten Mikro-Entscheidungen, mit nachhaltigem Konsum digitaler Medien und dem Verzicht auf die eine oder andere digitale Bequemlichkeit: Wenn wir nur die Datendiät einhalten, dann gelingt der Überwachungs-Detox!
Ein Bilderbuchbeispiel für den diffusen Charakter von privacy advocacy ist die ARD-Dokumentation "Gefährliche Apps", die sich mit der Vermarktung von Smartphone-Daten beschäftigt.
Dieser Film zeigt, wie leicht ahnungslose Nutzer ins Visier von Stalkern, Kriminellen oder Geheimdiensten geraten können.Geradezu hysterisch titelt Netzpolitik, das Hauptquartier vom bundesdeutschen Datenschutz-Aktivismus:
Datenhandel -LebensgefahrFür die Subjektivität in bürgerlichen Gesellschaften ist gerade die Trennung unterschiedlicher Rollen wichtig, aber auch prekär, prekärer jedenfalls als in anderen Gesllschaftsformen. Was der Arbeitgeber wissen muss, soll der Lebensabschnittgefährte nicht erfahren. Was man beim Online-Händler bestellt, geht sowieso niemanden etwas an. Damit will ich nicht sagen, dass die erzwungene und unfreiwillige Transparenz immer harmlos wäre. Nur dass sich die Konsequenzen - und eben auch die zugrundeliegenden Probleme und Lösungen - deutlich unterscheiden, ob nun ein Babyfoto im Internet kursiert und zur Onaniervorlage für einen Pädophilen wird (um einen beliebten Topos aufzugreifen) oder eine berufliche Beförderung wegen eines betrunkenen Party-Fotos verweigert wird (um ein anderes Standardbeispiel anzuführen) oder aber ein politischer Dissident im Gefängnis landet (item). Daten bilden die Oberfläche von Machtbeziehungen, sie bilden sie (unvollkommen) ab und reproduzieren sie dadurch.
Besonders gut gefallen Bücher bekanntlich, wenn sie Standpunkte vertreten, die man selbst immer schon vertrat. So auch hier: Ich habe mich mit dem Thema bereits 2010 (!) in einem Buch mit dem Titel Datenschatten - Auf dem Weg in die Überwachungsgesellschaft? auseinandergesetzt und ein Jahr später in einer Rezension zusammenfassend geschrieben:
Das Thema Datenschutz lebt davon, daß es alle betreffen soll, auch den unbescholtenen Bürger (eine Gestalt, die überraschend häufig Aktivisten bemühen, die gar keine unbescholtenen Bürger sein wollen). Unermüdlich warnen Datenschützer vor den Gefahren des „Mißbrauchs“, aber die Bedrohung bleibt merkwürdig unbestimmt. Denn man bestreitet gar nicht, daß Staat und Unternehmen personenbezogenene Daten brauchen. „Selbstverständlich“ müsse die Polizei Informationen sammeln – nur allzu leicht soll es ihr nicht fallen.
Nun gibt es kein Recht auf Gesetzesverstöße, und die Pointe der Überwachung durch Behörden, Polizei und am Arbeitsplatz ist, daß sie und ihre (für Betroffene häufig unangenehmen) Folgen in der Regel ganz legal sind. Weil die legalistische Kritik des Datenschutzes ins Leere geht, bauscht er Phänomene wie unerwünschte Werbung oder kriminellen Datengebrauch über alle Maßen auf und macht beispielsweise aus dem altbewährten Kreditkartenbetrug den neuen schlimmen „Identitätsdiebstahl“.
Der beschränkte Horizont der Datenschützer führt andererseits dazu, daß sie die innovativen Möglichkeiten der Informationstechnik, die tatsächlich über die bürgerliche Gesellschaft hinausweisen, ignoriert oder verniedlicht (beispielsweise eine vernünftige gesamtgesellschaftliche Planung von Produktion und Ressourcenverbrauch und deren demokratische Kontrolle). Diesen Möglichkeiten stehen nämlich vor allem das Amts- und Geschäftsgeheimnis im Weg, und diese gelten dem Datenschutz als ebenso schützenswert wie das informationelle Selbstbestimmungsrecht der Bürger. Die Gesellschaftskritik von Datenschützern ist, kurz gesagt, konventionell und defensiv.
Montag, 9. März 2026
Donnerstag, 4. Dezember 2025
Fun fact # 83: Lebensende II
Dienstag, 11. November 2025
Montag, 17. Februar 2025
Elon Musk – (immer noch) das Gesicht der späten Digitalisierung?
Nun erleben wir ein weiteres Zusammenwachsen von Digital-Kapital und Staatsapparat, das wahrscheinlich nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt bleiben wird. Aus diesem Anlass habe ich meinen Text ins Netz gestellt - vielleicht nützlich, um die Entwicklung seitdem zu verstehen.
Wer Elon Musk lächerlich findet, spricht gleichzeitig ein Urteil über unsere Zeit, die ihn hofiert. Er ist sozusagen eine Mischung aus John Pierpont Morgan und Charles Ponzi, ein Industrieller und ein Hochstapler, und solche merkwürdigen, diffusen Mischungen charakterisieren die späte Digitalisierung.
Mittwoch, 14. Juni 2023
Wie ChatGPT sprechen gelernt hat
Diese Systeme verfügen nicht über das, was «starke künstliche Intelligenz» genannt wird: echtes Verständnis, die Fähigkeit zur Analyse oder zum Lernen, Autonomie, Wahrnehmung. Dass viele der erzeugten Aussagen wahr und sinnvoll sind, liegt daran, dass die Eigenschaften der Dinge und ihre kausalen Zusammenhänge den relativen Häufigkeiten in den eingespeisten Texten entsprechen (worauf wir uns auf keinen Fall verlassen sollten!).Der letzte Hinweis scheint mir besonders wichtig, denn viele Unternehmen planen bereits den Einsatz dieser Systeme zu Rationalisierungszwecken.
Dienstag, 6. Juni 2023
China als Projektionsfläche
Da tut es gut, "Blockchain Hühnerfarm" von Xiaowei Wang zu lesen. Für die Sendung Andruck beim Deutschlandfunk habe ich es besprochen. Die Autorin beschreibt die Digitalisierung in China, ein Prozess, bei dem technische Innovation und soziale Widersprüche zusammenspielen.
Um herauszufinden, wie die Landbevölkerung sich Digitaltechnik aneignet, ist sie in abgelegenste Dörfer gereist. Biographisch bringt die US-amerikanische Autorin ideale Voraussetzungen für diese Recherche mit: Ihre Eltern stammen aus China, sie spricht die Sprache, Familienangehörige verschaffen ihr Einblicke in den Alltag. Und als ehemalige Programmiererin lässt sie sich vom Jargon der IT-Branche nicht blenden.Die Reportagen fügen sich wie ein Mosaik zu einem Bild der chinesischen Gesellschaft zusammen, wobei das schwierige Verhältnis von Stadt und Land im Vordergrund steht. Digitale Technologien werden rasant, oft auch auf unvorhergesehene Art adaptiert. Online-Handelsplattformen durchdringen Arbeit und Konsum. Für viele Landbewohner bedeutet die Entwicklung den Ruin, einige machen Karriere, zum Beispiel als Drohnen-Piloten.
Wertvoll macht "Blockchain Hühnerfarm", dass sich die Autorin einer nationalistischen Perspektive konsequent verweigert. Sie beschreibt das politische System als "fragmentierten Autoritarismus". Durch Künstliche Intelligenz und die maschinelle Lesbarkeit nahezu aller Lebensbereiche ergeben sich Potentiale für die Bevölkerungskontrolle und Unterdrückung. Diese Potentiale sind aber keineswegs auf China beschränkt. Dies wird zum Beispiel deutlich, als Xiaowei Wang ein IT-Unternehmen in Peking besucht, das Kamerasysteme für die Gesichtserkennung vertreibt.
Das Überwachungssystem der Regierung mit dem völlig ernst gemeinten Namen Skynet wird im Showroom ebenfalls präsentiert. Megvii / Face + + hat Investoren weltweit, von Südkorea über Russland bis Abu Dhabi. Die technischen Führungskräfte sind mannigfach international ausgebildet. Bei meinen Besuchen dort erwähnten etliche Mitarbeiter, mit denen ich ins Gespräch kam, nebenbei ihre Zeit in den USA oder ihre Arbeit beim Wall Street Journal. (…) Das Ganze erinnerte mich nicht bloß an Silicon Valley, es war Silicon Valley.So steht das Unternehmen beispielhaft für den Zitat „globalen Charakter der Überwachungsindustrie“. Diese Software wird übrigens nicht nur von Polizeibehörden genutzt, sondern auch in Apps, um Selfies zu verschönern. Xiaowei Wang betont, dass Technologiekonzerne weltweit mit autoritären Regierungen kollaborieren.
„Blockchain Hühnerfarm“ zu lesen ist insofern unheimlich, im Sinne von Sigmund Freud: Das Befremdliche und Beängstigende, was sie uns präsentiert, ist in Wirklichkeit zu vertraut.
Donnerstag, 6. April 2023
Vergesellschaftet die Plattformen!
Bei Telepolis habe ich einen Artikel über die Vergesellschaft der Internet-Plattformen veröffentlicht. Als Beispiel dient Twitter und dessen neuer Chef, immer für einen Lacher gut:
Seit Herbst 2022 gehört Twitter also einem der reichsten Menschen der Welt. Als erstes ließ Elon Musk darüber abstimmen, ob Trump sich wieder über die Plattform äußern darf. Knapp 52 Prozent sagten ja, der Ex-Präsident bekam seinen Account zurück. "Vox populi vox dei", kommentierte Musk, die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes.Die Pointe der Geschichte: im März 2023 entschied der neue Twitter-Chef, dass nur noch zahlende Abonnenten abstimmen dürfen. Wer keine sieben US-Dollar im Monat übrig hat, dessen Votum ist nicht gefragt. Die Stimme Gottes wird kostenpflichtig. So steht es um die Struktur der Öffentlichkeit.
Freitag, 6. Januar 2023
Landwirtschaft auf der Flucht
Die industrialisierte Landwirtschaft macht sich bereit zur Flucht – zu einer Flucht aus Ökosystemen, zu deren Zerstörung sie selbst erheblich beigetragen hat.
Montag, 2. Januar 2023
Wenn die Flut zurückgeht
Elon Musk morgens, Elon Musk abends, Elon Musk rund um die Uhr. Seit der Unternehmer Twitter aufgekauft hat, macht die Berichterstattung gefühlt überhaupt keine Pause mehr ... Dass es sich lohnt, ein Spektakel zu veranstalten, hat Elon Musk im Laufe seiner Karriere verinnerlicht. Die Medien kommentieren jeden seiner Schritte, jede Äußerung, sie lieben ihn, denn er wird niemals langweilig. Früher galt Musk bei vielen als technologischer Visionär. Seit der chaotischen Übernahme von Twitter berichten die Medien weniger freundlich. Nun wird er dämonisiert, statt idealisiert. ... Aber die Persönlichkeit von Elon Musk, sofern sich diese überhaupt aus seinem öffentlichen Auftreten erschließen lässt, erklärt sein unternehmerisches Handeln nicht. Als Unternehmenschef der Technologiebranche tut Elon Musk lediglich, was gegenwärtig angesagt ist.
Freitag, 30. September 2022
Freitag, 7. Januar 2022
Lassen sich Pandemien vorhersehen?
Wegen der Covid-19-Pandemie bauen viele Länder ihre Früherkennung und Prävention aus. In Amerika beispielsweise gibt es seit Kurzem ein „Nationales Zentrum für die Vorhersage und Analyse von Epidemien“. Die Rockefeller-Stiftung gründet ein Pandemic Prevention Institute, und in Großbritannien entsteht ein Zentrum namens Global Pandemic Radar.Ein neues Radiofeature von mir beim Deutschlandradio beschäftigt sich mit der Frage, wie aussichtsreich dieser Versuch der Pandemie-Bekämpfung ist.
Dienstag, 28. Dezember 2021
Die Roboter kommen nicht
Mittwoch, 26. Mai 2021
Was mir die Hoffnung raubt
Zur Hölle mit der E-Mobilität, dem CO2-Gefasel und dem ideologischen Weltverbesserer-Quatsch!So äußerte sich Dirk Spaniel, der - Festhalten, bitte! - Obmann der AfD im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur im Bundestag. Aber damit kann ich umgehen. Spaniel kommt aus der Automobilindustrie, er gehörte zum rechtsextremen "Flügel" innerhalb der Partei. Von ihm erwarte ich keine konstruktiven Lösungen.
Was mir die Hoffnung raubt, ist so etwas:
SENS4BEE - Dem Bienensterben mit energieautarken Sensoren auf der SpurOder so etwas:Bienen liefern uns Menschen nicht nur Honig, sondern sind dank der Bestäubung von Kräutern, Sträuchern und Bäumen maßgeblich für den Artenerhalt verantwortlich. Dadurch erwirtschaften sie in Deutschland circa 1,6 Milliarden Euro für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion.
Um Honigbienen unter die Flügel zu greifen und das Umwelt- und Landwirtschafts-Monitoring sowie die Forschung zur Bienengesundheit voranzutreiben, sollen sie im Rahmen eines Forschungsprojekts nun mit miniaturisierten, integrierten Sensorsystemen ausgestattet werden.
Verbundprojekt „zUCKERrübe“ erforscht autonome, umweltfreundliche AnbauverfahrenSo lange die Vorschläge für die Lösung der Klimakrise vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration oder dem Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik kommen, müssen wir den Planeten abschreiben, fürchte ich.... „Das IHP wird sich in dem Projekt der Entwicklung einer KI-basierten Bildanalyse auf ressourcenarmen Hardware-Plattformen zur Bestimmung des Unkrautbefalls und zur relativen Ortung des Hackroboters widmen. Dazu werden wir unterschiedliche Hardware-Beschleuniger entwickeln, damit Drohnen trotz ihrer kleinen Rechenkapazität zukünftig in der Lage sind, KI-Algorithmen zur Bildanalyse anzuwenden. Damit können Hackroboter und Drohnen auch in Gebieten mit schlechtem Mobilfunkempfang eingesetzt werden, weil die Unkrauterkennung auf Drohnen und nicht auf Cloudservern erfolgt ...“
Donnerstag, 17. Dezember 2020
KI und die Kriege der Zukunft
Hyperwar, das bedeutet „Industrie 4.0 auf dem Schlachtfeld“. Militärische Maschinerie und Soldaten sind miteinander vernetzt, Daten fließen hin und her. Sensoren und Geschosse sind auf unterschiedliche Geräte verteilt und wirken dennoch zusammen.Diese Strategie verspricht mehr Effizienz und höheres Tempo. Die Kehrseite: die Vernetzung wird selbst zum Angriffsziel. Der Gegner versucht Datenverbindungen zu stören, zu hacken oder ganz zu unterbinden. Wenn das gelingt, sind die vermeintlich schlauen Maschinen nur noch hochgefährlicher Elektroschrott.Die Sendung kann im Netz angehört werden. Am 26. Dezember bringt der Deutschlandfunk eine Wiederholung.
Sonntag, 31. Mai 2020
Mittwoch, 8. April 2020
"Das Internet als Waffe"
Die Staaten rüsten digital auf: Sie sammeln IT-Sicherheitslücken, entwickeln Schadprogramme und gründen militärische Einheiten für den sogenannten Cyberkrieg. Im Auftrag des Staates schützen Programmierer die eigenen Netzwerke und dringen in gegnerische Netze ein, um sie bei Bedarf auszuschalten oder für die Sabotage zu nutzen. Auch Deutschland will über diese Fähigkeiten verfügen. Aber Informatiker warnen, dass solche Bestrebungen das Internet als zivile internationale Infrastruktur gefährden. Sie fordern: Gebt dem Cyber Peace eine Chance!









