Dienstag, 18. November 2014

"Mythos Vorbeugung" - Die ersten Besprechungen trudeln ein

Lisa Mayr bespricht "Mythos Vorbeugung" im Standard, sehr gründlich und wohlwollend.
Becker verknüpft in seinem profund recherchierten und faktenreichen Band die historische Entwicklung der Sozialmedizin mit neuesten Studienergebnissen zum Einfluss von Prävention und sozialer Herkunft auf die Gesundheit. Der Text ist übervoll von interessanten Details und ist streckenweise fast zu dicht geraten.
Der Autor erklärt, warum schwierige Lebensumstände krank machen: Weil Prekarität und die fehlende Möglichkeit, Belastungen abzubauen, zu chronischem Stress führen. Der wiederum behindert die Immunantwort im Körper und kann chronische Krankheiten begünstigen. Bronchitis, Bluthochdruck, Magenkrebs – fast alle Krankheiten sind in der untersten Einkommensgruppe doppelt bis dreimal so häufig wie in der obersten.
"Besonders schädlich sind permanente Besorgnis, kein Nachlassen der Anforderungen, keine Erfolgserlebnisse und Gefühle von Machtlosigkeit", schreibt Becker. Existenzieller Stress und die Möglichkeit zu seiner Bewältigung sind in der Bevölkerung aber höchst ungleich verteilt: Der soziale Unterschied findet sich bei praktisch allen Erkrankungen
In der Wochenzeitung hat letzte Woche Jutta Blume mein Buch rezensiert (Paywall).
In seinem Buch «Mythos Vorbeugung» zeigt Matthias Martin Becker, wie es zum vorherrschenden Prinzip der Prävention in der Medizin kam, was dieser Ansatz wirklich zu leisten vermag und zu welchen blinden Flecken er führt. Letztere sind gross, da die Vorbeugung stets beim Individuum, nicht aber bei der Gesellschaft ansetzt.

Mittwoch, 12. November 2014

Der Boulevard, ja der Boulevard, der ist breit. Da kann der Spaziergänger schon einmal die (politische) Orientierung verlieren.

Wie gut, dass web.de ganz große Schilder aufstellt, die den Lesern sagen, was sie zu denken und fühlen haben!

Montag, 27. Oktober 2014

Von Medizin und Moral

Am Samstag ist bei Telepolis ein (recht kurzer) Auszug aus meinem Buch Mythos Vorbeugung erschienen.
Dick zu sein, das stand traditionell für »Maßlosigkeit und Sünde, Müßiggang und Laster«, stellt Christoph Klotter fest. Der Protestantismus verschärfte die überlieferte Abneigung gegen die Dicken noch einmal, weil er (moralische) Eigenleistung und Askese zur Glaubenspflicht machte. Das Stigma traf allerdings selten die Wohlhabenden und Mächtigen, denn deren Fleiß und wirtschaftliche Produktivität schienen außer Frage zu stehen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg konnten in Mitteleuropa und Nordamerika auch die unteren Schichten ausreichend Kalorien bekommen. Nun wandelte der dicke Bauch seine soziale Bedeutung. Seitdem steht Fettleibigkeit stellvertretend für die Armen und Ausgegrenzten, für angeblich überflüssige und maßlose Esser. Ausdrücke wie »sitzende Lebensweise« und »exzessive Kalorienaufnahme« sind dafür quasi-medizinische Chiffren. Der Kampf gegen die Fettleibigkeit speist sich aus Vorurteilen über die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten der unteren Klassen.

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Dienstag, 21. Oktober 2014

Grenzen der grundsätzlichen Laxheit in Fragen des geistigen Eigentums

Hier ist meine:
Es fühlt sich seltsam an, wenn das eigene Buch im Netz verramscht wird. Jetzt könnte ich auch dieses Klagelied anstimmen. Es handelt davon, wie wenig Autoren kritischer Sachbücher verdienen. Wie schnell die kulturelle Debatte veröden wird, wenn sich für die Textarbeiter das Texte herstellen nicht mehr lohnt. Wie ungerecht das ist.

Ich glaube, ich lass es lieber. Es gibt Schlimmeres.

Nur eines, liebe Leser, versucht besser nicht, bei der genannten Seite "Mythos Vorbeugung" herunterzuladen, denn die wollen bloß eure personenbezogenen Daten und auf eure Festplatten.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Seuchen lassen das Schlechteste in den Menschen hervorbrechen, die niedrigsten Instinkte. In Seuchen wird der Mitmensch gefährlich, wird ausgegrenzt. Wenn das Leben durch eine ansteckende Krankheit auf dem Spiel steht, geht die Vernunft unter und der Ellbogen wird ausgefahren.

Aber in Deutschland, bei den Online-Redakteuren von web.de, da muss nicht einmal Gefahr bestehen, um an die niedrigsten Instinkte zu appellieren:

Mittwoch, 24. September 2014

Zu den Quellen der Gesundheit vorstoßen?

Lässt sich Krankheit durch gesundes Leben verhindern? Was hält uns überhaupt gesund, was macht uns krank? Seit gestern ist mein neues Buch zum Thema in allen gut sortierten Buchläden erhältlich.


Mein Buch beschreibt die Entstehung des Präventionsgedankens als Teil der staatlichen Bevölkerungspolitik, Sinn und Unsinn der medizinischen Vorbeugung und die stete Ausweitung eines medizinischen Blicks auf den eigenen Körper - unter anderem.
Gerade hat TED Talks einen interessanten Vortrag von Rishi Manchanda veröffentlicht, der sich um eine ähnliche Frage dreht.



Der Stil von TED Vorträgen ist gewöhnungsbedürftig und Manchandas Rhetorik ist mir persönlich zu pathetisch. Aber er betont zu Recht eine wichtige Erfahrung, mittlerweile vielfach belegt: die Grundlagen unserer Gesundheit werden nicht in der Arztpraxis oder dem Krankenhaus gelegt. Sie ist das Resultat unserer Lebensbedingungen, unserer Wohnung und Arbeit, unserer sozialen Beziehungen. Die Medizin kommt zum Einsatz, wenn das sprichwörtliche Kind in den Brunnen gefallen ist (und dann ist sie mal mehr, mal weniger erfolgreich). Erfolgreiche Krankheitsbekämpfung auf der Ebene der Bevölkerungen muss zu den Quellen, ihren Ursachen vorstoßen - moving upstream, wie es auf Englisch heißt.
Das ist keineswegs neu, sondern seit langem weitgehend Konsens der Public health-Forschung. Damit stellt sich aber die unbequeme Frage, welchen Beitrag der medizinsche Stand überhaupt dazu leisten kann, Krankheit zu bekämpfen. Rishi Manchanda plädiert hier für eine Art advocacy: Mediziner sollen die Symptome der Krankheiten behandeln, die aus den Lebensbedingungen der Patienten entstehen - da stimmte ich natürlich zu! - und ansonsten wie Sozialarbeiter dafür sorgen, dass die Kranken ihre Lebensbedingungen verbessern können. Ich bezweifle, dass Ärzte dazu geeignet sind. Und wer wissen willen, warum, erfährt in Mythos Vorbeugung mehr.

Dienstag, 23. September 2014

"Wir müssen die ökonomische Grundlage der Welt neu denken"

Hier der (nachgetragene) Hinweis auf mein Interview mit der Umwelthistorikerin Verena Winiwarter, erschienen bei Telepolis.
Klimaerwärmung, Bodenzerstörung, Wasserverschmutzung - die Menschheit untergräbt gerade durch ihren Naturverbrauch ihre eigene Existenzgrundlage. So kann es nicht mehr lange weitergehen, dieses System ist nicht "nachhaltig". Aber was bedeutet das überhaupt - Nachhaltigkeit? Können Menschen das überhaupt - langfristig und vorausschauend wirtschaften? Werden sie es noch lernen?
Ich möchte noch anmerken, dass die Aussagen meiner Interviewpartner nicht meine eigene Meinung wiedergeben (müssen), dass ich nämlich ein Zinsverbot für den falschen Ansatz halte, um die ökonomisch-ökologische Krise zu lösen, in die die Menschheit geraten ist, und dass das Telepolis-Forum, bildlich gesprochen, die Tarantel in der Sahnetorte meines Lebens ist.

Montag, 22. September 2014

Donnerstag, 4. September 2014

Damit hat das weltgeschichtlich kürzeste Kalifat hoffentlich ein Ende. Was aber um Allahs Willen haben sich die Online-Redakteure bei der Wortwahl dieser Schlagzeile gedacht? Martialisch irgendwie, trotz des wolkigen "Luftschlags". Dafür "ermordet", selten gehört bei Kriegsgegnern. "Terrorfürst", das klingt nach James Bond, nach Goldfinger.

Stimmt halt alles nicht, einschließlich der Identität des ermordeten Terrorfürsten ...