Montag, 22. September 2025
Freitag, 19. September 2025
Dienstag, 16. September 2025
Das Laufband als Allegorie
Für die Sendung Andruck habe ich Yves Pagès Buch Endlose Ketten besprochen. Das Laufband, eine Erfindung des späten 18. Jahrhunderts, gehört zu den Basisinnovationen, die unterschiedlichste Funktionen erfüllen. So transportieren Laufbänder Teller mit Sushi zu Restaurantgästen oder verschaffen Haustieren Bewegung oder erleichtern den Weg durch den Flughafen und, natürlich, disziplinieren die Fabrikarbeiter. Insofern gewagt von Pagès, das endlose Band zum Leitmotiv einer historischen Darstellung zu machen. Es funktioniert, weil es ihm nicht um historische Exaktheit geht, sondern um Inspiration und Kritik. Das Fließband dreht sich um sich selbst, glaubt er, so wie der kapitalistsche Fortschritt. Dass immer mehr Menschen auf den Laufbändern in den Fitness-Studios immer mehr Kilometer zurücklegen, versinnbildlicht für ihn, wie tautologisch, selbstbezügliche und sinnlos die Vergesellschaftung geworden ist. Und zum Schuss - ganz überraschend, denn davon ist vorher keine Rede - schlägt er einen Bogen zur ökologischen Krise:
Heute geht es darum, das postmoderne Sinnbild dieses Denkens zu hinterfragen: das ohnmächtige Auf-der-Stelle-Treten im Angesicht einer globalen Katastrophe, die sich immer deutlicher ankündigt, eine Simulation, stimuliert durch die Trugbilder des eigenen Dahinschwebens, befreit von den Unwägbarkeiten einer allzu vorhersehbaren Realität. Hier geht es weder vorwärts noch rückwärts; der Mensch auf dem Laufband versucht die Schuld des Lebens zu sühnen oder den Moment des Todes hinauszuschieben – zwei fixe Ideen, die ihn quälen An seinen Posten gebannt überwacht er die eigene Leistung, angetrieben von Dopamin; wenn es um das Hochgefühl geht, das das Cardio-Training ihm beschert, ist er zugleich Dealer und Süchtiger. Er müht sich ab und ist dabei sein eigener Chef, er betätigt sich als time keeper der eigenen Ausdauer und ist schlussendlich ein Proletarier, der nichts zu verlieren hat als seine überschüssigen Pfunde. Neben den anderen Gestalten, die alle auf derselben Startlinie feststecken, arbeitet er daran, die Arbeitskraft wiederherzustellen, die daran arbeitet, die Arbeitskraft wiederherzustellen, die daran arbeitet … … und immer so fort gemäß einem bekannten kapitalistischen Teufelskreis.
Dienstag, 2. September 2025
Gehorsame Deutsche?
Gehorsam, das sei ein Reizwort, behauptet die Verlagsankündigung, zumal in Deutschland. Die Lektüre von „Die Deutschen und der Gehorsam“ von Martin Wagner legt eher nah, dass der Begriff so überholt und lebensfremd wirkt, dass er nicht einmal mehr aufregt.
Martin Wagner konstatiert ein Missverhältnis zwischen dem Verschwinden des Gehorsams als
Ich habe das Buch für die Sendung Andruck beim Deutschlandfunk besprochen.
Martin Wagner konstatiert ein Missverhältnis zwischen dem Verschwinden des Gehorsams als
expliziter Kategorie des öffentlichen Diskurses und dem hartnäckigen Nachleben seiner alltäglichen Erfahrung. Vom Straßenverkehr über die Schule bis zum Steuerwesen und der Realität des Arbeitsplatzes werden wir regelmäßig mit Situationen konfrontiert, in denen uns Gehorsam abverlangt wird – wobei die Verwendung des Wortes hier doch heute in der Regel seltsam verstörend wirken würde.Gehorchen? Ich?!? Das Wort klingt archaisch, wenn alle tun, was sie sollen, dies aber aus tiefster Überzeugung. Reale Unterordnung, kritisiert der Autor zu Recht, werde in allen gesellschaftlichen Bereichen tabuisiert, eskamotiert oder beschönigt. Das ist ein wichtiger Hinweis angesichts des Erfolgs einer rechtspopulistischen Politik, die libertären Pathos mit autoritärer Ausgrenzung verbindet.
Ich habe das Buch für die Sendung Andruck beim Deutschlandfunk besprochen.
Montag, 1. September 2025
Freitag, 29. August 2025
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