Gute Frage, das. Sie wird etwas handhabbarer, wenn wir uns fragen, wer „wir“ ist. „Wir“ sind ganz nämlich verschieden. Manche untersuchen „die Medien“, weil sie ihren politischen Zielen im Weg stehen. Die anderen wollen einen berufsqualifizierenden Abschluss, weil unbestätigten Gerüchten zufolge „die Medien“ Bedarf an Arbeitskräften haben.
In dem medienpolitischen Sammelband Medien - Macht - Demokratie, herausgegeben von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, veröffentlichen Autorinnen und Autoren aus diesen beiden und anderen Gründen. Die Themen reichen von der computergestützen Überwachung am Arbeitsplatz über Google bis zur Reform der öffentlich-rechtlichen Rundfunkräte.
Mittwoch, 15. April 2009
Dienstag, 14. April 2009
Should I stay or should I go?
Treibt die Weltwirtschaftskrise die Migranten wirklich zurück in ihre Herkunftsländer? Läuft "die Globalisierung rückwärts", wie in der ZEIT von dieser Woche zu lesen war? Eine Meldung der Financial Times Europe weist darauf hin, dass die Situation nicht so eindeutig ist. Da heißt es:
(Das wirft nebenbei ein eher schlechtes Licht auf jene "anekdotischen Berichte" - wahrscheinlich von Journalisten verfasst, die schon vorher genau wussten, was sie herausfinden würden.)
Thousands of Polish migrants are applying for welfare benefits in the UK as the recession wipes away the jobs that lured them to the UK, the Financial Times has learnt. Employment and benefits advisers are reporting a surge in the number of Polish people coming to them for advice about how to survive the recession in Britain. That suggests many Poles are determined to ride out the economic downturn in the UK even though anecdotal reports suggest thousands of central European workers are returning home.
(Das wirft nebenbei ein eher schlechtes Licht auf jene "anekdotischen Berichte" - wahrscheinlich von Journalisten verfasst, die schon vorher genau wussten, was sie herausfinden würden.)
Montag, 13. April 2009
Beim FREITAG ist meine Besprechung von Matrix der Welt - SAP und der neue globale Kapitalismus erschienen.
Übrigens gibt es auch andere wenig berichte Neuigkeiten über den Softwarehersteller:
Die Geschichte des Kapitalismus ließe sich als Fortschritt der Informatisierung beschreiben: Produktion und Austausch werden immer schneller, detaillierter und mit immer weniger Arbeitsaufwand erfasst.
Übrigens gibt es auch andere wenig berichte Neuigkeiten über den Softwarehersteller:
Mit "Investigative Case Management for Public Sector" (ICM) hat SAP ein Softwarepaket vorgestellt, das Strafverfolgungsbehörden bei Ermittlungen unterstützen soll. Neben der Polizei sollen jedoch auch Nachrichtendienste sowie andere mit Sicherheitsaufgaben betraute Organisationen das SAP-Produkt einsetzen können.
Donnerstag, 9. April 2009
"Halbgötter in braun"
Ich habe meine Doppelrezension über die medizinische Forschung im NS ins Netz gestellt. Erschienen ist sie in der April - Ausgabe der KONKRET.
Im Jahr 1937 war knapp die Hälfte der deutschen Ärzte Mitglied der NSDAP. Ein Viertel war in der SA organisiert. Ihr Organisationsgrad lag um das siebenfache über dem Durchschnitt der männlichen Bevölkerung. Verglichen mit den Schullehrern – also mit einer akademischen Berufsgruppe – waren sie immer noch doppelt so häufig in der Partei. Was zog sie hin zum Nationalsozialismus?
Sogar arbeiten ...
BILD erklärt die sogenannte elektronische Fußfessel:
Zitiert wird in der Meldung auch Klaus Jansen, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), nämlich mit:
Das Leben geht mit der Fußfessel geregelt weiter – es darf sogar gearbeitet werden!
Zitiert wird in der Meldung auch Klaus Jansen, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), nämlich mit:
Wichtig wäre eine Fußfessel insbesondere auch für die weitere Überwachung von Sexualstraftätern.Wenn das Zitat stimmt, zeugt es davon, dass Kriminalbeamter Jansen nicht weiß, wie die Funküberwachung funktioniert. Denn selbst, wenn demnächst "Bewegungsprofile" von den Trägern erstellt werden könnten (wie es der baden-württembergiscge Gesetzesentwurf vorsieht), bleibt die Frage, wie denn die Polizisten vor den Bildschirmen reagieren, wenn sich etwa eine Pädophiler einem Kindergarten nähert. Einen Streifenwagen schicken? Ihn bei nächster Gelegenheit einsperren? Per Fernsteuerung ein potenzhemmendes in seinem Körper freisetzen?
Montag, 6. April 2009
"Nachsolidarische Reziprozität"

Jetzt, was soll ich denn da für ein härteres Regiment führen, wenn die Leut' nichts finden? Was soll ich denn da machen, soll ich sie erschießen?
Dieses Zitat einer deutschen "Arbeitsvermittlerin" stammt aus einer Studie des Bielefelder Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung. Mit Interviews haben die Forscher zu ermitteln versucht, wie die Hartz-Gesetze die Praxis auf den Arbeits- und Sozialämtern verändert haben. Das (kaum überaschende) Ergebnis: die Angestellten dieser Behörden betreiben die sogenannte Aktivierung als pädagogisches Projekt, viele von ihnen begreifen ihre Aufgabe als "Umerziehung".
Soziale Kontrolle erfolgt in unserem Fall heutzutage nicht, wie es dem Klischee entspräche, primär autoritär. Sie erfolgt vielmehr kooperativ zugewandt oder auch pädagogisierend, dabei nicht selten subtil übergriffig, ggf. zynisch, manchmal latent verachtend und nur hier und da noch in Resten paternalistisch oder offen autoritär.
Das (und noch mehr die entsprechende Einteilung der Interviewten!) kommt mir vereinfachend vor. Ist denn nicht das Um-Erziehen in jeder, auch der "gutwilligen" Form, der Gegenpol dazu, den Arbeitslosen als Gleichberechtigten (sprich: "Bürger") zu behandeln? Jedenfalls beschreiben die Autoren die vorherrschende Einstellung als "postpolitisch" beziehungsweise "nachsolidarisch"
Der Staat für sie kein politisches Gebilde mehr, nicht mehr ein Organ des Volkssouveräns ist. Er ist vielmehr eine formale Organisation, die Tauschhandlungen organisiert, in denen Leute gemäß ihres "Restarbeitsvermögens" für die Organisation "Staat" arbeiten.
Die Studie bleibt in ihrer Kritik - natürlich - strikt auf der Ebene der Kultur und der Einstellungen, nicht der der Institutionen. Aber allein die Zitate lohnen sich!
Eine Zusammenfassung gibt es auch bei TELEPOLIS.
Freitag, 3. April 2009
Kann der Staat den technischen Fortschritt steuern?

Gestern ist eine neue Buchbesprechung von mir erschienen. Es geht um die Untersuchung "Neue Technik auf alten Pfaden?", eine Geschichte der bundesdeutschen Forschungspolitik.
Die Standardtastatur, wie sie noch heute gebräuchlich ist, entstand Ende des 19. Jahrhunderts. In den 30er Jahren kam dann das »Dvorak Simplified Keyboard« auf den Markt, mit dem sehr viel mehr Anschläge in der Minute möglich wurden.Ohne nennenswerten Erfolg. Warum? Die Büroarbeiterinnen umzuschulen, hätte Kosten verursacht. Für Schreibmaschinenhersteller war der Einstieg in die neue Technik ein schwer zu kalkulierendes Risiko. Die Konsumenten profitieren von dem »Netzwerkeffekt«: Gilt eine Technik als Standard, sind beispielsweise Ersatzteile günstig und zuverlässig verfügbar. Solche »positiven Rückkopplungen« waren und sind dafür verantwortlich, daß »suboptimale Techniken« gewinnen können – und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen des freien Spiels der Marktkräfte.
Fabrikbesetzungen in England und Nord-Irland

Seit Mittwoch halten Arbeiterinnen und Arbeiter Fabriken in Enfield (London), Basildon (Essex) und Belfast besetzt. Am Tag zuvor wurden fast alle Beschäftigten von Visteon in Großbritannien entlassen. Die Firma ist ein Automobilzulieferer, der bis 2000 Ford gehörte. Die Arbeiter fordern (nach Medienberichten) vor allem Abfindungen und dass die Zeit vor der Auslagerung auf ihre Renten und Arbeitslosengelder angerechnet wird.
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