Montag, 26. April 2010

Auf dem Weg in die Überwachungsgesellschaft?


An einer Seite Prosa wie an einer Bildsäule arbeiten
sagt Nietzsche - mir liegt Textiles Gestalten mehr. Nun habe ich ein Buch gehäkelt, das heute erschienen ist.





Wenn wir uns wirklich auf dem Weg in eine "Überwachungsgesellschaft" befinden - wie wird diese aussehen? Wenn immer mehr personenbezogene Informationen zur Verfügung stehen - verschieben sich dadurch die Machtverhältnisse in den Behörden, im Büro und in der Fabrik? Wie wird ein Datenbank-Staat den Bürgern gegenüber treten, der seine verstreuten Informationssammlungen vernetzt, um "zu wissen, was er weiß"? Und schließlich - bremst der "Datenschutz" das Entstehen einer autoritären "Infokratie" ab oder moderiert er sie nur?

Um diese (und noch ein paar andere) Fragen geht es also in "Datenschatten - Auf dem Weg in die Überwachungsgesellschaft?" In den nächsten Tagen wird der Verlag eine umfangreiche Leseprobe ins Netz stellen.

Sonntag, 25. April 2010

Was bringt Intelligenz-Training, "Hirnsport" und "Gehirn-Jogging"? Die kurze Antwort lautet: nichts. Das jedenfalls legt eine Vergleichsstudie nahe, über die Nature berichtet.
"There were absolutely no transfer effects" from the training tasks to more general tests of cognition, says Adrian Owen, a neuroscientist at the Medical Research Council (MRC) Cognition and Brian Sciences Unit in Cambridge, UK, who led the study. "I think the expectation that practising a broad range of cognitive tasks to get yourself smarter is completely unsupported."

Allerdings ist die Untersuchung für ältere Menschen, die mit Denksport dem Nachlassen ihrer geistigen Fähigkeiten entgegen wirken wollen, wohl nicht aussagekräftig.

(Der Film, den Nature dazu gemacht hat, ist, von diesem interessanten Ergebnis abgesehen, ein bißchen, na ja, doof. Aber bitte schön:)

Freitag, 23. April 2010


Verwirrend - haben wir nicht gerade gelernt, dass es eigentlich "... über das Fallen und Fallen lassen" heißen muss?

Mittwoch, 21. April 2010

Englische Lehrer und Schulrektoren boykottieren Vergleichstests

Die Tests werden nur dazu verwandt, um sinnlose Vergleichstabellen zu erstellen, die die Kinder demütigen und erniedrigen.

Klare Worte vom englischen Verband der Schulrektor, deren Mitglieder - wenigstens ein Teil der Mitglieder - angekündigt haben, den jährlichen Vergleichstest für Grundschüler zu boykottieren. Auch die Lehrergewerkschaft National Union of Teachers unterstützt den Boykott; deren Vorsitzende Christine Blower sagte, die gewonnene Zeit könne nun genutzt werden, um
endlich einmal alle die phantastischen Dinge im Klassenzimmer zu tun, die wir schon immer einmal tun wollten.
Das Bildungsministerium droht den Lehrern und Rektoren mit rechtlichen Konsequenzen.

Ähnliche Auseinandersetzungen gibt es bekanntlich in Berlin um den Vera 3 - Test für Schüler der 3. Klasse.

Montag, 19. April 2010

In meiner persönlichen "Hitparade der Brechreiz verursachenden Fernsehmomente" gab es kürzlich einen Neueinsteiger, der es gleich ganz nach oben geschafft hat - zu Guttenbergs Audruck von "den am Karfreitag Gefallenen" bei der Trauerfeier für die "gefallenen" Bundeswehrsoldaten. Lange leidvolle Erfahrung hat mich gelehrt, dass solche Ausdrucksweisen von Politikern kein Zufall sind. Aber, Glück gehabt, das Osterwunder ist ausgeblieben und die Getöteten in ihren Gräbern, nicht wie in Brechts

Legende vom toten Soldaten.

(Der Sänger dieser Aufnahme ist übrigens Ekkehard Schall, am Klavier Karl-Heinz Nehring.)

Sonntag, 11. April 2010


Merkel bedauert tote Afghanen
Diese blühende Blödsinns-Schlagzeile stand nicht in der Bild, nein, über einem Aufmacher der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dem Hauptquartier der Sprachgourmets, der Duden-Madrassa für die Stil-Taliban!
Merkel bedauert tote Afghanen
Da hat sie natürlich einiges zu tun, denn es gibt schon viele davon und täglich werden es mehr. Warum überhaupt die verstorbenen Afghanen gegenüber den verstorbenen Senegalesen bevorzugen? Aber, schon klar, die Schlagzeile bezieht sich auf die Soldaten der afghanischen Armee, die von unseren Jungs nur aus Versehen umgebracht wurden. Insofern müsste es heißen:
Merkel bedauert getötete Afghanen
Oder noch besser:
Merkel bedauert Tötung von Afghanen
Das wäre angemessener, stimmt aber immer noch nicht. Denn Merkel bedauert gar nicht die Tötung von Afghanen, sondern die von bestimmten Afghanen, nämlich von solchen in den Uniformen der "Zentralregierung".
Merkel bedauert Tötung von mit uns verbündeten Afghanen
Habt ihr keinen Job für mich als "Chef vom Dienst"?

Dienstag, 6. April 2010

Bedingt arbeitsunfähig


Die englischen Sozialdemokraten haben wie keine andere Regierung in Europa die Psychologisierung der Sozialpolitik vorangetrieben. Das neuste Projekt ist die Abschaffung Umbenennung der ärztlichen Krankschreibungen: aus sick notes werden fit notes (PDF-Beispiel). Die Arbeitsunfähigkeit kann künftig sozusagen unter Vorbehalt gestellt werden; die Ärzte sollen dementsprechend beurteilen, welche Tätigkeiten der Kranke trotz Krankheit durchführen kann (beispielsweise im Sitzen). Sie können eine abgestufte Rückkehr zum Job, kürzere Arbeitstage oder andere Tätigkeiten empfehlen. Alles selbstverständlich im Sinne der Betroffenen, sagt das Ministerium für Arbeit und Renten:
Evidence shows that work is generally good for your health and that often going back to work can actually aid a person’s recovery. On the other hand, staying off work can lead to long-term absence and job loss with the risk of isolation, loss of confidence, mental health issues, de-skilling and social exclusion.

Auf den liebevoll sickies genannten Attesten steht ab heute die neue Kategorie "May be fit for work taking account of the following advice". So soll die Zahl der Krankschreibungen gesenkt werden. Eine Sprecherin der Confederation of British Industry kommentierte laut BBC:
This is a change that employers will welcome. All too often a person is signed off sick when they are able to manage some forms of their work.

Dienstag, 30. März 2010

Terrorbekämpfung im Internet-Café


Während sich auch in Großbritannien viele über die jüngsten EU-Pläne für Internet-Sperren empören, machen die Überwachungspläne der Londoner politischen Polizei merkwürdigerweise keine Schlagzeilen. Deren Besitzer sollen nämlich das Surf-Verhalten der Besucher überwachen und die Polizei alarmieren, wenn sie sich Internetseiten betrachten, die "gewalttätigen Extremismus" propagieren. Über die Bildschirm-Schoner und Poster werden sie darauf hingewiesen, dass ihr Online-Verhalten beobachtet wird. Nicht nur das:
The initiative, which is entirely voluntary, also aims to prevent customers using the internet for other unlawful purposes such as fraud or accessing child abuse images.

heißt es in der Presseerklärung der Polizei. Es handelt sich um eine Art Pilotprojekt im Rahmen von PREVENT, einem staatlichen Programm zur Bekämpfung des islamistischem Terrorismus, das "bei Erfolg" auch auf andere englischen Städten und öffentliche Bibliotheken ausgeweitet werden könnte.
Damit kommt die polizeiliche Überwachung von Internetcafés, wie sie beispielsweise in Indien praktiziert wird, in Europa an. Dabei geht es nicht darum, potentielle Terroristen zu fangen (die ja wahrscheinlich nicht dumm genug sein werden, trotz der Warnhinweise Al Qaeda-Seien zu betrachten), sondern darum, Sympathisanten zu identifizieren. In einem Bericht der BBC heißt es:
Police say that the internet cafe programme is not about arresting people, but more to determine if their users need what they term as "support". (...) "Obviously every situation is different," said Police Constable Beynsberger. "We need to establish if there is something we need to investigate further, for example, if there's a pattern forming."

Montag, 29. März 2010