Freitag, 28. August 2009



wollen Sie nicht
eine meinung von mir haben
haben Sie nicht vielleicht
bedarf dafür

Mittwoch, 26. August 2009

Meine Rezension von Joachim Bischoffs "Jahrhundertkrise des Kapitalismus" ist beim FREITAG erschienen.
Nicht „verantwortungslose Zocker“ haben uns die Misere beschert, sondern die immer weitergehende Liberalisierung und Deregulierung der Finanzmärkte schien einen Ausweg aus der Profitklemme zu bieten.

Dienstag, 25. August 2009

Bildungsexpansion , Doktorenschwemme

Eine Fundsache aus der Süddeutschen von gestern:
Im Jahr 1975 wurden in Westdeutschland schon gut 11 000 abgeschlossene Promotionsverfahren gezählt, 1992 ebenda 20 000, und gesamtdeutsch ermittelte das Statistische Bundesamt bei der jüngsten veröffentlichten Erhebung im Jahr 2007 die Zahl von 23 843 Promotionen.

Neukölln ist anders










Über "Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg" darf in der Neuköllner Werkstatt der Kulturen scheinbar nur gesprochen werden, wenn dabei niemandem auf die Füße getreten wird. Eine Ausstellung zum Thema wurde kurzfristig abgesagt, schreibt Autor und Organisator Karl Rössel.
Völlig unerwartet stellte Philippa Ebéné am Freitag, den 21. August (eine Woche vor der Vernissage!), mit Verweis auf ihr «Hausrecht» das Ultimatum, der Ausstellungsteil über arabische NS-Kollaborateure dürfe in der Werkstatt der Kulturen nicht gezeigt werden.

Und im Viertel herrscht Harmonie zwischen den Kulturen.

Sonntag, 23. August 2009

Krise der Unis, Krise der Mittelschichten

Beim DEUTSCHLANDRADIO gibt es einen neuen Radiobeitrag von mir zur Krise der Hochschulbildung in Großbritannien.

Eine Darstellung der "Hochschulen im historischen Prozess" findet sich übrigens beim ASTA der FU leider mit sehr viel Bourdieu und wenig Geschichte. Eine Sammlung mysteriöser theoretischer Essays über ""Wissensproduktion und das Unbehagen an ihr" gibt es beim ebenso mysteriösen Europäischen Institut für Progressive Kulturpolitik" (EIPCP).

Samstag, 22. August 2009


Vor meinem Büro zieht die Fuckparade vorbei. Den Tänzern folgen Pfandflaschensammler wie ein Tross Marketender dem Heer. Die Stimmung berauscht bis aggressiv. In einem Hinterhof, in den sich eine Gruppe junger Männer zum Zweck des Drogenkonsums zurückgezogen hat, kommt es zu einer Schlägerei, überwiegend harmlos Ich erinnere mich: in einer ähnlichen Situation ist Straight Edge entstanden. Auf dem Rückweg gehe ich noch schnell einkaufen. Die Breakbeats dringen dumpf bis in den Supermarkt hinein.

Sieben Fragen an den Kapitalismus

Die ZEIT hat Fragen an den Kapitalismus. Das ist ein dicker Mann im Anzug, dessen Silhoutte allerdings ins Unscharfe verschwimmt. Liegt wahrscheinlich am Zigarrenqualm. Ich fasse den Schwerpunkt im Wirtschaftsteil mal knapp zusammen ...
Existiert der Kapitalismus überhaupt?
Nicht so richtig.
Ist Ungleichheit der Preis des Wachstums?
Das ja.
Wo bleibt der Mensch?
Der soll sich in der Mittagspause oder am Wochenende um sich und seine Lieben kümmern.
Zerstört der Kapitalismus die Demokratie?
Im Gegenteil, er ist ihre Voraussetzung.
Ist sinnhafte Arbeit möglich?
Klar doch.
Gibt es die Moral des Marktes?
Das nein.
Geht es ohne Blase und Absturz?
Hier konnte sich die Redaktion offenbar nicht einigen - ein Autor meint ja, einer nein.

Das Niveau des Antikommunismus fällt und fällt. Warum? Weil nur die praktische und theoretische Herausforderung durch den Kommunismus dazu führt, dass sich die Damen und Herren zusammenreißen und die Gedanken, über die sie schwandronieren, auch rezipieren? Die Bücher lesen?

Mittwoch, 19. August 2009

"Es ist unheimlich schwer, Menschen für eine Serie von Streichungen und Kürzungen zu begeistern."

Wie kritisiert Herfried Münkler die Bundesregierung? So:
Merkel verwaltet die Krise lediglich, anstatt ihr einen Sinn und dem Land eine Perspektive zu geben. Wenn uns der Konsum nicht mehr antreiben kann, brauchen wir neue Ziele, die ergeben sich aber nicht einfach von selber.

So raunen also die Intellektuellen der Berliner Republik, heruntergekommen zu Politikberatern. Der Bevölkerung fehlt es nach Mythenforscher Münkler nicht an Zeit und nicht an Geld, nicht eine Alters- und Gesundheitsfürsorge, nein - an Geschichten.
Heldengeschichten rufen alte Erfolge ins Gedächtnis, sie zeigen, welche Krisen man schon gemeistert hat. Mythen schaffen Zutrauen, zu sich selbst und in die eigene Leistungsfähigkeit.

Und wie wir die vorletzte Weltwirtschaftskrise 1929 fortfolgende gemeistert haben. Das hat uns bisher keiner nachgemacht.
Im Vorfeld der Agenda 2010 ist mir klar geworden, wie dringend ein solches Reformprojekt auf motivierende Erzählungen angewiesen war, um in der Bevölkerung, vor allem aber in der Anhängerschaft der SPD Unterstützung zu finden. Es ist unheimlich schwer, Menschen für eine Serie von Streichungen und Kürzungen zu begeistern. Also kam es darauf an, damit Perspektiven und Hoffnungen zu verbinden, plus einer Geschichte, wo so etwas geklappt hat. Das habe ich damals auch mit dem Chef des Kanzleramts Frank-Walter Steinmeier diskutiert. Wir sind leider zu keinem vernünftigen Ergebnis gekommen.

Sonntag, 16. August 2009

Ende der Bildungsexpansion?

Das Phänomen ist nicht neu: Wirtschaftskrisen steigern die Nachfrage nach Bildung. Nun sollte der Andrang eigentlich ganz im Sinne der Regierung Gordon Browns sein. Schließlich propagiert Labour seit Jahren den Ausbau der Hochschulbildung und hat sich zum Ziel gesetzt, dass bald jeder zweite Schulabgänger eine Universität besucht. Nun aber übersteigt die Nachfrage das Angebot: Bis zu 40 000 Bewerber werden leer ausgehen, wenn im September die Studienplätze vergeben werden.

Mein Bericht über die englischen Hochschulen und die Krise, erschienen in der FRANKFURTER RUNDSCHAU, findet sich hier.