Donnerstag, 8. Oktober 2026
Geopolitische Angststörung und Spionage-Hysterie
Wie wäre es stattdessen mit "Forschungskontrolle"? Das klingt weniger freundlich, kontrolliert werden mag kaum jemand. Dafür trifft der Ausdruck allerdings den Sachverhalt viel besser. Denn Forschungssicherheit bedeutet (im Verständnis der politischen Klasse) die Kontrolle der internationalen Zusammenarbeit nach geopolitischen Kriterien. Im liberalen Verständnis von Wissenschaftsfreiheit bleibt den Forschenden selbst überlassen, mit wem sie welche Fragen mit welchen Methoden beantworten. Das passt nicht mehr zur geopolitischen Konkurrenz, in der das nationale Interesse das individuelle Interesse aussticht. „Geht’s noch?“, sagt der deutsche Staat. „Wir geben euch Geld und ihr kooperiert mit dem Gegner?“
Dieser Gegner ist China, auch wenn das selten so unhöflich ausgesprochen wird. Gleichzeitig aber ist China für die deutschen Forschungsorganisationen, Universitäten und Forschenden ein attraktiver Geldgeber und hat auch an wissenschaftlicher Expertise etwas anzubieten – und das erklärt die Schärfe und die Dauer der Auseinandersetzungen um den richtigen Umgang mit der angeblichen akademischen Gelben Gefahr.
Den vorläufigen Höhepunkt dieser Auseinandersetzung markiert die CISPA-Affäre, in der die Bundesregierung die Geschäftsführung und den Aufsichtsrat des Forschungsinstituts entmachtet hat. Für den Freitag habe ich einen Artikel über die Hintergründe geschrieben.
Das Vorgehen des Ministeriums im Fall CISPA ist ein Exempel: Wer die sogenannte Forschungssicherheit nicht ernst nimmt, riskiert Karriere und Finanzierung. Deutsche Wissenschaftler befinden sich also in einer schwierigen Lage. Denn was Forschungssicherheit konkret bedeuten soll, hat ihnen noch niemand richtig erklärt. Sich an die geltenden Gesetze und Vorschriften zu halten, genügt scheinbar nicht. Was dann?Im Hintergrund werden unterdessen Pläne für eine sichere / kontrollierte wissenschaftliche Kooperation geschmiedet. Eine Schlüsselrolle wird die Nationale Plattform für Forschungssicherheit spielen, die im Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt eingerichtet werden soll, mit Beteiligung der Nachrichtendienste. Im Gespräch sind angeblich Berichtspflichtender Forschenden, ein Finanzierungsvorbehalt, eine bundesweite Risikoanalyse. Angeblich, weil im Hinterzimmer verhandelt wird und diese Ideen höchstens durch eine Indiskretion von Beteiligten an die Öffenlichkeit kommen.Dorothee Bär nannte bei der erwähnten Ausschusssitzung im Bundestag „Risiken in Bezug auf unerwünschten Wissens- und Technologieabfluss, auf bestehende Dual-Use-Potenziale, sicherheitsrelevante internationale Kooperationen und unzulässige Einflussnahme“, die den „Sicherheitsinteressen Deutschlands“ zuwiderlaufen. Aber mit schwammigen Ausdrücken wie „unerwünscht“, „Risiko“ oder „sicherheitsrelevant“ kann niemand etwas anfangen, der sich beispielsweise entscheiden muss, ob er zusammen mit einem chinesischen Kollegen einen Aufsatz veröffentlicht, ihn für ein paar Semester an die eigene Hochschule einlädt oder eine finanzielle Förderung aus China annimmt.
Bundestagsabgeordnete erhalten auf ihre Fragen die Antwort, „fremde Mächte“ könnten veröffentlichte Informationen für sich nutzen. Antworten über die Nationale Plattform für Forschungssicherheit werden ihnen vorenthalten – was die Parlamentarier ebenfalls nicht verraten sollen.Das Ministerium mauert und schirmt die Verhandungen mit den Wissenschaftsorganisationen geradezu paranoid ab - und das ist wohl ebenfalls ein Ausdruck der post-liberalen Lage, in der wir uns wiederfinden.
Donnerstag, 1. Oktober 2026
Dienstag, 29. September 2026
Montag, 28. September 2026
Freitag, 25. September 2026
Donnerstag, 24. September 2026
Fun fact # 105: Öffentlichkeit
Mittwoch, 23. September 2026
Fun fact # 104: Gelbe (Übernahme-)Gefahr
Freitag, 18. September 2026
Dienstag, 15. September 2026
Konservativ + – reaktionär? Eine Notiz zu Konservatismus und Faschismus
Niemand kann die Demokratie wirksamer verteidigen – oder aber massiver schwächen als Konservative. Auf sie kommt es an.Angesichts des blutigen Ernstes dieser Frage verbietet sich kleinliches Mäkeln: Volksfront, Einheitsfront, was immer, ich bin dabei und dafür. Trotzdem will ich nicht verschweigen, dass mich diese Behauptung nicht überzeugt. In dem Radiobeitrag sage ich:
Ist der stärkste Gegner der AfD wirklich die CDU? Das ist doch zweifelhaft. Wahlen werden auf absehbare Zeit nicht mehr in der Mitte entschieden. Das häufig zu hörende Argument, die AfD wolle "eine andere Republik" oder gehöre "nicht zur bürgerlichen Mitte", verfängt nicht mehr.De Weck bedient eine Art illusionären Schönwetter-Liberalismus, wenn er beispielsweise behauptet, ein erneuertes konservatives Programm mit ein bisschen mehr Europa und ein bisschen mehr Umweltschutz könne den Vormarsch der "Rechtsautoritären" aufhalten. Die Demokraten können und werden nicht zusammenhalten beziehungsweise der Zusammenhalt (des staatstragenden Teils) der politischen Klasse wird nichts nutzen, wenn die Konflikte nicht gelöst oder wenigstens abgemildert werden, die den Faschisten Wähler und Aktivisten zutreiben: die brutalen Sozialkürzungen, die Militarisierung der Gesellschaften und die geopolitische Lagerbildung.
Montag, 14. September 2026
So weit klar? So weit klar. Aber um Himmels Willen, welche news values erfüllt das hier?
Freitag, 4. September 2026
Fun fact # 103: Weltgeltung
Dienstag, 1. September 2026
Freitag, 21. August 2026
"Sommerlich"
Aber Medien wie web.de können oder wollen den Ernst der Lage nicht erkennen.






